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Der blaue Mond über Wien – BLUE MOON – Eine Hommage an Billie Holiday feiert Premiere

Am 26. November fand in den Kammerspielen der Josefstadt die Uraufführung von BLUE MOON statt. Zum 100sten Geburtstag der Jazz-Sängerin Billie Holiday zeigt das Theater in der Josefstadt eine ganz spezielle Show zu Ehren der Künstlerin. Das Premierenpublikum bedankte sich mit minutenlangem Applaus.

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Sona MacDonald & Nikolaus Okonkwo Blue Moon © Moritz Schell

Biografie einmal anders

© Moritz Schell

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Thorsten Fischer (Regie) und Herbert Schäfer (Bühnenbild, Kostüme und Dramaturgie) zeigen in ihrer Hommage an die Jazz-Ikone ungeschönt das tragische Leben von Billie Holiday. Inszeniert ist das Stück wie ein Konzert der afroamerikanischen Sängerin, durchbrochen von Erzählungen von ihren männlichen „Wegbegleitern“, verkörpert durch Nikolaus Okonkwo. Auch Dialoge zwischen Billie Holiday und ihren Männern, sowie kurze Monologe erzählen chronologisch ihr bitteres Leben bis zum tragischen Tod. Im Vordergrund steht an diesem Abend aber eindeutig die Musik von Lady Day, wie die Musikerin auch genannt wurde. Das erstklassige Jazzquartett ist die ganze Zeit auf der Bühne präsent und bringt die Melancholie der Songs sehr gut auf den Punkt. Besonders Klarinette und Saxophon unterstreichen die traurige Stimmung. Das Bühnenbild ist schlicht gehalten. In der Bühnenmitte steht ein Vintage-Mikrofon das mal im Stehen und mal auf einem Barhocker besungen wird. Auffälligstes Bühnenelement ist ein von der Decke hängender, leicht schwingender Bartresen der beleuchtet und durch schrägstehende Spiegel eindrucksvoll zum Publikum projiziert wird.

Starke Performance

© Moritz Schell

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Sona MacDonald als Hauptdarstellerin überzeugte auf ganzer Linie. Ihr exzellenter Gesang wurde immer wieder mit großem Zwischenapplaus bejubelt. Insgesamt 20 Songs gibt sie mit ihrem zerbrechlich wirkenden Timbre zum Besten. Sie verkörperte sowohl die Jazz-Diva, als auch die besoffene und drogenabhängige Prostituierte brillant. Besonders die Entwicklung von der strahlenden Bühnenfigur zur gebrochenenen Diva verkörpert sie glaubhaft – nicht überzeichnet, aber dennoch spürbar. Worte wie Nigger, Arschloch und Schlampe schockieren zwar diejenigen, die sich auf eine glamouröse Gala gefreut haben, sind aber authentisch und helfen, sich das tragische, schicksalhafte Leben von Billie Holiday besser vorstellen zu können. MacDonald kommt nicht an das Original heran, schafft es aber,  ein sehr glaubhaftes Portrait zu zeigen.

Billie Holiday

Die Musikerin starb schon im Alter von 44 Jahren an einer Leberzirrhose, was auf ihren ausschweifenden Lebenswandel zurückzuführen war. Nach einer brutalen Kindheit, wo sie ein Nachbar mit elf Jahren vergewaltigte, arbeitet sie zunächst als Putzhilfe und anschließend als Prostituierte in einem Bordell. Dennoch gelang es ihr, sich von der Gosse bis in den Jazz-Olymp zu singen. Allerdings hatte sie immer die falschen Menschen an ihrer Seite und so wurden Gewalt, Rassismus und Drogenkonsum ständige Begleiter auf ihrem kurzen Lebensweg. Holiday war nicht nur dem Alkohol verfallen, sondern konsumierte auch Opium, Marihuana und Heroin, weshalb sie mehrfach im Gefängnis landete und zur Entziehungskur musste. Auch ihre beiden Ehemänner Jimmy Monroe und Louis McKay waren ihr keine Hilfe. Selbst am Sterbebett wurde ihr noch ein Haftbefehl vom Rauschgiftdezernat überreicht.

BLUE MOON

© Moritz Schell

© Moritz Schell

BLUE MOON legt offen was Menschen sich und einander antun, spricht ernste Themen an und ist gleichzeitig eine Fürsprache für mehr Respekt. Kein anderer Songtitel beschreibt die Melancholie besser die über dem Leben von Billie Holiday lag. Das Stück gleicht mehr einem Konzert als einem dramatischen Schauspiel. Manche Popstars reden ausführlicher auf der Bühne zwischen ihren Songs, aber anscheinend war mehr Dialog im Leben dieser tragischen Heldin nicht drin. BLUE MOON zeigt voller Ehrfurcht und Wertschätzung das Ausnahmetalent der Jazzkünstlerin und versucht sich an das Leben der non-konformen, souveränen und dennoch vereinsamenden Sängerin anzunähern. Besonders genial erscheint die Idee alle männlichen Figuren durch Nikolaus Okonkwo darzustellen. Die Männer im Leben der Diva waren egal ob Musiker oder Barkeeper im Kern alle gleich und konnten ihr nicht das geben, wonach sie sich sehnte. Gleichzeitig konnte sich die im Grunde vielleicht verletztliche Frau auf Keinen richtig einlassen. Der Abend ist definitiv keine leichte Kost – und kommt eher dramatisch, melancholisch rüber. Die Hommage weiß aber hauptsächlich durch die großartigen Leistungen von Sona MacDonald, Nikolaus Okonkwo und dem starken Jazz-Quartett zu überzeugen. Nicht nur ausgesprochene Jazz-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten und dürfen sich auf Songs wie “Strange Fruit”, “Summertime”, “My Man” und natürlich “Blue Moon” freuen. Neben der Musik verpasst er aber nicht heikle Themen anzusprechen. Durch eine große Spiegelwand wird das Publikum selbst zur Kulisse und sieht sich mit dem Alltagsrassismus konfronitert. Die Schauspieler erhalten nach minutemlangen Applaus schließlich die harterarbeiteten Standing-Ovations und selbst Hauptdarstellerin Sona MacDonald scheint nach dem Durchleben der berührende Biografie ganz bewegt.

Songliste:

  1. Body And Soul
  2. The Man I Love
  3. All Of Me
  4. Billie's Blues (I Love My Man)
  5. Mean To Me
  6. God Bless The Child
  7. Your Mother’s Son-In-Law
  8. Summertime
  9. One For My Baby (And One More For The Road)
  10. Strange Fruit
  11. Fine And Mellow
  12. Don’t Explain
  13. I’ll Be Seeing You
  14. Lover Man (Oh, Where Can You Be)
  15. Good Morning Heartache
  16. You’re My Thrill
  17. You Don’t Know What Love Is
  18. As Time Goes By
  19. Night And Day
  20. Blue Moon

 

Besetzung:

  • Sie: Sona MacDonald
  • Er: Nikolaus Okonkwo

Kreativteam:

  • Regie: Torsten Fischer
  • Bühnenbild und Kostüme: Herbert Schäfer, Vasilis Triantafillopoulos
  • Musikalische Leitung: Christian Frank

Orchester:

  • Klavier: Christian Frank
  • Klarinette, Saxophon, Flöte: Herbert Berger
  • Kontrabass: Andy Mayerl
  • Schlagzeug: Klaus Pérez-Salado

Termine:

  • 5. Dezember 2015, 15 Uhr und 20 Uhr
  • 6. Dezember 2015, 15 Uhr und 20 Uhr
  • 17. Dezember 2015, 20 Uhr
  • 7. Januar 2016, 20 Uhr
  • 16. Januar 2016, 15 Uhr u. 20 Uhr
  • 17. Januar 2016, 15 Uhr u. 20 Uhr
  • 25. Januar 2016, 20 Uhr
  • 26. Januar 2016, 20 Uhr
  • 30. Januar 2016, 20 Uhr
  • 31. Januar 2016, 20 Uhr

Weitere Termine sind bis 6. Mai 2016 vorgesehen.

Karten gibt es auf der Homepage des Theaters in der Josefstadt.

Kammerspiele der Josefstadt, Wien

Kammerspiele, Rotenturmstraße, Wien, Österreich

 

Kategorie: Allgemein

Tags:

Autor: M. Sommerfeld (27.11.2015)

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