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COMEDIAN HARMONISTS in Bad Gandersheim

Bereits zum 57. Mal finden die Gandersheimer Domfestspiele vor traumhafter Kulisse statt. Vom 20. Juni bis 16. August wird der Platz am Fuße der Gandersheimer Stiftskirche wieder zum Freilichttheater und somit zum Schauplatz der Festspiele. Seit dem 17. Juli schallen regelmäßig Evergreens wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ über den Vorplatz der Stiftskirche, denn die COMEDIAN HARMONISTS sind dieses Jahr Teil der Gandersheimer Domfestspiele.

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Die Comedian Harmonists
Die Comedian Harmonists © Hillebrecht/Die Foto-Maus

Vom Aufstieg und Zerfall

In diesem Jahr stehen fünf große Produktionen auf dem Plan, darunter auch die COMEDIAN HARMONISTS von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink. Im Mittelpunkt dieser Inszenierung steht der Aufstieg und Zerfall des Berliner Vokalensembles „Die Comedian Harmonists“. Alles beginnt im Jahr 1927 mit Harry Frommermann, der davon träumt, ein Vokalensemble nach dem Vorbild der Band „The Revelers“ zu gründen. Über eine Zeitungsannonce fordert Harry zum Vorsingen auf. Nach einigen vorausgegangenen Enttäuschungen erscheint Robert Bilberti zum Vorsingen und bringt den Stein ins Rollen. Bald sind die Comedian Harmonists komplett. Nach einem ersten gescheiterten Versuch, beschließen die Sänger Harry Frommermann, Robert Biberti, Roman Cycowski, Erich A. Collin, Ari Leschikoff und der Pianist Erwin Bootz mit dem nächsten Vorsingen erst einmal zu warten. Monatelang feilen die Sechs im Verborgenen an ihrem Programm. Als sie sich endlich vor Publikum wagen, lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten. Doch mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus scheint es so, als würde die Gruppe zerbrechen, denn nur drei der sechs Musiker gelten als „Arier“ …

Die Gesangsgruppe im Mittelpunkt

Die Comedian Harmonists bekommen ihre erste Chance als Pausenfüller

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

In der Gandersheimer Inszenierung liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Geschichte rund um das Vokalensemble. Der nationalsozialistische Aspekt spielt zwar eine Rolle, wird aber nicht zum Dreh- und Angelpunkt. Geschickt wird das Publikum durch die Jahre geführt und bekommt von der Umwelt der Gesangsgruppe nur das mit, was in kleineren Unterhaltungen thematisiert wird und aus knappen Zeitungsausschnitten hervorgeht. Achim Lenz rückt die Konzerte so in den Mittelpunkt, dass das Ende schon fast einem offenen Ende gleicht. Es wird nicht eindeutig klar, ob sich die Comedian Harmonists nun wirklich trennen oder nicht. Man geht jedoch davon aus. So wird dem Stück aber keinesfalls die Emotionalität genommen; es stellt insgesamt eine tolle Mischung aus Emotion, Witz und Ernst dar.

Bühnenbild und Ausstattung

Die Bühne ist so gut wie leer, auf der linken Seite wird ein kleines Zimmer angedeutet in welchem der Flügel steht. Mittig ist ein schwarzes kreisrundes relativ flaches ‚Podest‘ aufgebaut. Hier wendet Cornelia Brey, die sich für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, einen interessanten Kniff an. Zu der Zeit, als sich das Leben der Comedian Harmonists noch (zum größten Teil) in der Wohnung von Harry Frommermann abspielt, liegt auf diesem ‚Podest‘ ein alter Teppich den man so noch aus Omas Wohnzimmer kennt. Doch nach und nach werden die Comedians bekannt und der Teppich weicht einem Schallplatten-Label. Als das Vokalensemble scheinbar vor dem Ende steht, löst sich auch die überdimensionale Schallplatte auf, indem das Etikett entfernt und Podest-Teile von der Bühne getragen werden. Dieses ‚Podest‘ spiegelt den Werdegang der Comedian Harmonists wieder, somit ist die Ausstattung zwar schlicht, aber wirkungsvoll.

Fünf Harmonien ein Klang

Generell sind die Rollen sehr gut besetzt. So schlüpft Gero Wiest – der auch die musikalische Leitung für die COMEDIAN HARMONISTS übernommen hat – in die Rolle des Pianisten Erwin Bootz. Er begleitet die Darsteller in den gesamten zwei Stunden am Klavier und zeigt auch schauspielerisches Talent. Insgesamt sind die fünf Sänger perfekt aufeinander abgestimmt. Niemand sticht aus dem Gruppengesang heraus. Die fünf Harmonien verschmelzen zu nur einer Stimme.

Der Pianist, der Visionär und der Bass-Bariton

Harry Frommermann (Dirk Weiler, links) und Robert Bilberti (Daniel Dimitrow, rechts) treffen beim Vorsingen aufeinander

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

Harry Frommermann ist ein Visionär, ein Träumer und genau dies wird schon in dem Moment klar, als Harry das erste Mal auf Robert trifft. Dirk Weiler (Harry) und Daniel Dimitrow (Robert) schaffen es sofort, dass die Euphorie – ein Gesangsensemble nach dem Vorbild der Revelers zu gründen – und die von beiden Sängern geteilte Liebe zu dieser Musik im Publikum spürbar, schon fast greifbar werden. Mit seinem Bass-Bariton und dessen großem Stimmvolumen nimmt Dimitrow den ganzen ‚Saal‘ ein. Im selben Maße gelingt es Dirk Weiler, mit seiner Stimme Akzente zu setzen. Herrlich mit anzusehen ist auch der ständige Machtkampf zwischen Erwin und Harry darum, wer die Probe leiten darf und wer für die Arrangements verantwortlich ist.

Sie vervollständigen die Comedians

Jannik Nowak (Erich), der auch als Petrus in JESUS CHRIST SUPERSTAR zu sehen war, überzeugt bei den COMEDIAN HARMONISTS auch stimmlich, diese Songs scheinen ihm besser zu liegen. Er imitiert zuweilen auch einige Instrumente und gewinnt so Sympathie und man sieht ihm deutlich an, wie viel Spaß ihm diese Rolle macht. Johannes Kiesler (Roman) bekommt seinen Soloauftritt mit einem jüdischen Gebet, das schon darauf hindeuten lässt, was wohl am Ende passieren wird. Ari, der von Oliver Polenz verkörpert wird, sorgt durch seine Sprach-Schwierigkeiten für einige Lacher. Er komplettiert mit seiner Stimme den sechs Mann starken Chor. Im Großen und Ganzen sind diese drei jedoch weniger greifbar, was ihren Rollencharakter betrifft, als ihre Kollegen.

Ein Mann, tausend Gesichter

Er gehört nicht zu den Comedians, doch noch bevor Ihre Geschichte so richtig beginnt, bringt er das Publikum schon zum Lachen: Die Rede ist von Jens Schnarre, der an diesem Abend nicht nur ein Gesicht hat, sondern gefühlt 15 verschiedenen Rollen bekleidet. Alleine in der ersten Szene schlüpft er bereits in mehr als drei verschiedene Rollen und verkörpert dabei mehr als komödiantisch die mehr oder weniger talentfreien Sänger, die unbedingt in Frommermanns Vokalensemble mitmachen wollen. Wie schwer muss es für einen Schauspieler und Sänger sein, so schrecklich schief „Kein schöner Land“ zum Besten zu geben. Ob nun Hans oder ein fieser Nationalsozialist, Jens Schnarre schlüpft in keine Rolle so gut wie in die von Frommermanns Vermieterin. Es ist eine pure Freude ihm dabei zu zusehen, wie er in dieser Rolle vollkommen aufgeht. Wenn er mit dem Telefon in der Hand von hinten durch die Reihen zur Bühne stampft bleibt kein Auge trocken.

Die Comedian Harmonists bezirzen die Vermieterin (Jens Schnarre)

©Hillebrecht/Die Foto-Maus

Die Vorlage aus dem ‚echten‘ Leben beeindruckend auf die Bühne gebracht

Im Festspielmagazin bekommt das Publikum zusätzlich zum Programmheft noch eine Information zu den diesjährigen Produktionen. So kommen auch ein paar Darsteller zu Wort, die über sich und ihre Rolle sprechen. So äußert sich Weiler wie folgt zu seiner Rolle des Harry Frommermann in den COMEDIAN HARMONISTS: „Aber dennoch gilt für mich, aus der dramatischen Vorlage und allem, was wir sonst noch über den ‚echten‘ Harry Frommermann erfahren können, einen ‚echten‘ Harry Frommermann für die Bühne zu erschaffen“. Dies gelingt ihm auf eindrucksvolle Weise. Er, aber auch seinen Kollegen, scheinen so in die Rollen einzutauchen, sich so in sie hineinversetzen zu können, dass man ihnen jedes Wort und jede Geste abkauft. So fühlt man sich nach Berlin versetzt, wenn Robert alias Bob (Daniel Dimitrow) mit einem total überzeugenden Berliner Dialekt loslegt – den er stringent durch das ganze Stück beibehält. Man muss herzhaft lachen, wenn Ari (Oliver Polenz) mal wieder die deutsche Sprache nicht oder zu mindestens missversteht. Aber zuletzt ist es Harry (Dirk Weiler), mit dem man mitfühlt als er feststellen muss, dass nicht die Nationalsozialisten die Gruppe auseinander brechen, sondern, dass seine Freunde und Kollegen, nicht bereit sind für den gemeinsamen Traum Deutschland zu verlassen. Denn im Ausland wäre der Fortbestand der Gruppe sicher.

Fazit

Die Inszenierung der COMEDIAN HARMONISTS ist auf ganzer Linie geglückt. Der nationalsozialistische Hintergrund wird nicht tot geschwiegen, aber dominiert diese Produktion auch nicht. Es geht wirklich um den Aufstieg des Berliner Vokalensembles und um den Traum den Harry Frommermann mit der Gründung dieser Gesangsgruppe hat. Die Cast ist gut gewählt, sie harmonieren als Gruppe perfekt, vermitteln Emotion und Gefühl. Jens Schnarre als Mädchen für alles, ist die perfekte Ergänzung zu den ‚eigentlichen‘ Hauptrollen. Ein wirklich runder Abend, mit viel Humor und Witz. Auf jeden Fall einen Besuch wert. Schade, dass es von dieser Produktion keine CD gibt. Wer es zeitlich noch schafft, sollte sich dieses Stück unbedingt in Bad Gandersheim anschauen.

Verbleibende Termine

  • Samstag, 08. August 2015 15Uhr – Online keine Karten mehr buchbar
  • Sonntag, 09. August 2015 20Uhr – Online keine Karten mehr buchbar
  • Donnerstag, 13. August 2015 20Uhr
  • Samstag, 15. August 2015 15Uhr

Die Besetzung

Ari: Oliver Polenz,
Erich: Jannik Nowak
Roman: Johannes Kiesler
Harry: Dirk Weiler
Robert: Daniel Dimitrow
Erwin: Gero Wiest
Hans: Jens Schnarre
Respekt an die Darsteller, die bereits am Nachmittag in der prallen Sonne gestanden haben und in der Nachmittagsvorstellung von JESUS CHRIST SUPERSTAR mitgewirkt haben und anschließend die zwei Stunden durchgesungen haben, was man ihren Stimmen aber nicht im Geringsten angemerkt hat.

Kategorie: Kritiken

Tags:

Autor: K. Heinen (06.08.2015)

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