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Christopher Brose Interview – Musical1 Podcast 6

Er ist der Galileo bei WE WILL ROCK YOU und steht derzeit in München, anschließend in Frankfurt am Main und dann in Wien auf der Bühne: Christopher Brose hat sie die begehrte Hauptrolle im Queen-Musical sichern können. Im Musical1 Podcast spricht er darüber, was das Musical so besonders macht und erzählt von seiner Zeit bei HINTERM HORIZONT.

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Christopher Brose
Christopher Brose Christopher Brose

Derzeit geht es auf der Bühne des Deutschen Theaters München rockig zu – den aktuell spielt dort das Musical WE WILL ROCK YOU, ein Stück aus der Feder von Ben Elton im Auftrag der Queen-Musiker Roger Taylor und Brian May. Die Urpremiere dieses Musicals fand im Mai 2002 in London statt. Mit über 4.600 ausverkauften Vorstellungen in 12 Jahren ist es dort die längstgespielte Show und zählt zu den Top Ten der erfolgreichsten West End Musicals aller Zeiten. Weltweit wurde das Stück bereits von mehr als 16 Millionen Zuschauern gesehen, davon allein vier Millionen in Deutschland. Zu sehen war das Stück in 29 Städten auf der ganzen Welt. Interessant ist außerdem, dass Ben Elton sowie die beiden Queen-Musiker an jeder Neuinszenierung der Produktion beteiligt sind und das letzte Wort bei der Auswahl der Musiker, Band und Darsteller haben. Seit der Deutschlandpremiere 2004 in Köln rockte es dort bis 2008 ohne Unterbrechung die Bühne des Musicaldoms. Premiere in München wurde am 9. September gefeiert und dort ist es noch bis Mitte Dezember zu sehen. Danach geht es nach Frankfurt am Main, von wo es im Januar 2015 nach Wien wechselt.

Für uns steht heute der in Cottbus geborene Christopher Brose im Skype-Interview zur Verfügung. Er spielt in der aktuellen Inszenierung die Hauptrolle des Galileo. Der junge Mann schnupperte bereits während seiner Schulzeit Bühnenluft. Nach einer soliden Ausbildung in der Tourismus-Branche entschied sich Christopher für ein Studium in Musical und Show. Im folgenden Interview wird er über seine bisherigen Musical-Erfahrungen und sein aktuelles Engagement bei WE WILL ROCK YOU sprechen.

Das Interview als Abschrift

Hallo Christopher, ich freue mich sehr, dass du heute mit mir das Interview führen wirst. Im Jahr 2010 hast du dein Studium in Musical und Show an der Berliner Universität der Künste mit Diplom abgeschlossen. Teile uns doch bitte mit, was der ausschlaggebende Punkt für dich war, von der Tourismusbranche ins Musical-Business zu wechseln. Verrate uns auch, wie du das Studium an der UdK empfunden hast und wie dieses Studium deine Person verändert hat.

Du fängst ja gleich an mit den harten Fragen. Also, zu dem Tourismus: Das ist eine ganz witzige Sache. In meiner Schulzeit gab es halt die Möglichkeit, entweder ich drücke weiter die Schulbank oder ich versuch es mal gleich mit was anderem und breche raus ins Leben. Ich hab dann eine Ausbildung gemacht zum Tourismus-Assistenten – weil meine Mutter auch auf die glorreiche Idee kam: „Chris, mach das doch mal, dann bist du mit 18 fertig und kannst dein Leben machen und alles ist toll.“ Ich habe das gemacht – aber eigentlich war es ein Schritt Richtung Musical. Musical und Schauspiel war für mich schon immer die Richtung, in die ich gehen wollte. Mit 18 war ich auf Mallorca und habe Animation gemacht, das war ganz witzig. Da haben wir abends immer Live-Shows gemacht und da sagten irgendwann die Hotelgäste: Mensch, das klingt doch gar nicht Scheiße, was du machst. Vielleicht solltest du dich mal auf einer Musical-Schule bewerben. Und das hab ich gemacht.

We Will Rock You Rock

© Nilz Böhme

Also, die Tourismus-Ausbildung war glaube ich einfach nur ein Schritt in das Leben, das ich mir vorstellen wollte. Und dann hat es ja großartigerweise geklappt an der UdK in Berlin, was vier Jahre eine großartige Zeit war. Was mich total geändert hat. Man kommt als Schüler, als junger Mensch in eine große Stadt; alles ist neu, alles ist groß. Es war auch eine ziemlich harte Zeit, weil du von morgens bis abends wirklich Uni hattest, vom Tanzunterricht morgens – Ballett, Jazz, Steppen, das ging morgens los bis mittags, dann hattest du eine halbe Stunde Pause gehabt, dann ging es wieder los mit Einzelunterrichten im Gesang, im Klavier, Theorieunterricht, abends noch Schauspiel bis in die späte Nacht. Das ist schon ein heftiges Pensum für einen jungen Menschen. Das Studium hat mich in der Hinsicht wirklich weit gebracht, weil ich ein Handwerk gelernt habe. So, wie eine Schneiderin ihr Handwerk lernt oder ein Dachdecker sein Handwerk lernt, habe ich genauso das gelernt, was mir die Dozenten beigebracht haben: Wie gehe ich um mit meinem Körper, wie gehe ich um mit meiner Stimme, was muss ich tun, was ist wichtig? Das war eine ganz spannende Zeit, das war eine ganz harte Zeit manchmal: Gerade in unserem Beruf, im Schauspiel und Musical, gehst du halt an alles, was in deinem Körper drin ist und an die Psyche. Mit jeder Instanz gehst du an die Substanz. Das war manchmal nicht schön und da gab es auch öfter Tränen am Abend, weil man wirklich fertig war und sich so noch nie beschäftigt hat mit sich selber. Aber nachträglich ist es das Beste, was mir passieren konnte. Die Uni hat mir den richtigen Anfang gegeben, den richtigen Startschuss gegeben, um zu sagen: So Chris, jetzt hau rein.

Schon während deines Studiums wirktest du in einigen Varieté-Produktionen in Berlin mit. Berichte uns doch ein wenig von dieser Zeit und welche Produktionen du dabei gespielt hast.

Mein Studium ging vier Jahre. Bei uns ist es so, dass du im ersten Jahr Auftrittsverbot hast, also, du darfst gar nichts machen. Was auch richtig ist. Man setzt sich wirklich einmal in die Uni und schottet sich ein wenig von der Außenwelt ab und ist wirklich nur am Runterfahren und am Lernen, das war ganz toll. Dann hatte ich das Glück gehabt, dass ich im zweiten Jahr bei einem Casting war im Friedrichstadt-Palast, in Europas größtem Revue-Theater. War dagewesen für ein Casting für ein Stück, für eine Hauptrolle – „Die Kinder der Bounty“ hieß das. Das hätte ich eigentlich gar nicht gedacht, dass das klappt. Aber das hat tatsächlich funktioniert. Da habe ich im zweiten Studienjahr meine erste große Hauptrolle gehabt im Friedrichstadtpalast und das war unfassbar großartig, das war eine ganz, ganz tolle Erfahrung. Dann ging es parallel zum Studium. Ich war tagsüber im Studium und habe dann abends gespielt. Erst im Friedrichstadtpalast, dann war ich im Wintergarten, im Varieté-Theater, da habe ich das Stück „Dekolletee“ gespielt, das war ganz schön. Das war eine 60er-/70er-Jahre-Revue, das war ganz toll. Das war halt wirklich ein Zusammenschnitt von vielen Songs und vielen kurzen Schauspielszenen. Das hat total Spaß gemacht. Das waren so ein paar kleine Sachen, die man immer mal gemacht hat. Aber der Fokus war wirklich auf der Uni in der Zeit.

Nach deinem Abschluss mit Diplom folgten zahlreiche Rollen in namhaften Produktionen. Welche Produktionen waren das und welche Rolle hast du jeweils gespielt? Gibt es hierbei eine Show, welche für dich besondere Bedeutung hat? Wenn ja, welche ist das und warum?

Ich hatte das Glück, während des Studiums schon tolle Sachen zu machen – ob das jetzt Projekte im Studium waren, wie z.B. „Leben ohne Chris“: Das war ein Projekt von der UdK und der Neuköllner Oper in Berlin Das hat mich quasi am meisten geprägt. So, wie der Titel war, war dann auch das Stück, die Geschichte: es ging um „Chris“, also um mich, wenn man so will, und das hat einen wirklich zum ersten Mal in die große Theaterwelt entführt, und das war halt wirklich toll.

Nach dem Studium hatte ich das Glück, dass es sofort los ging. Ich musste meine Diplomarbeit drei Monate eher machen als alle anderen, weil ich ein Angebot hatte in Walenstadt, in der Schweiz am schönen Walensee. Dort habe ich DIE SCHWARZEN BRÜDER gemacht, das war so eine Open-Air-Geschichte: eine riesengroße Open-Air-Bühne, mit ganz vielen Darstellern, alles draußen. Das war echt toll und hat richtig viel Spaß gemacht, obwohl von 24 Vorstellungen 22 in strömendem Regen stattfanden; das war nicht so schön. Das war ein Superstart direkt nach dem Studium. Und dann ging es praktisch direkt weiter: Ich hab gespielt für DIE SCHWARZEN BRÜDER in der Schweiz und habe währenddessen schon geprobt für Hof, im Stadttheater, für WEST SIDE STORY, wo ich den Riff gespielt habe. Das war noch einmal eine ganz andere Ecke gewesen, weil ganz wenige Gäste nur eingeladen wurden. Es war ganz viel vom Haus besetzt, was ja meistens in Stadttheatern so üblich ist. Mein Tony zum Beispiel in dem Stück war ein Opernsänger – das war eine ganz andere Ecke, weil man mit solchen Leuten noch nie vorher zusammengearbeitet hat. Dann prallt halt wirklich Pop-Rock auf Oper – das war sowohl im Gesang als auch im Schauspiel eine ganz tolle Reise. Wir hatten einen großartigen Regisseur: Reinhard Friese, der jetzt dort im Theater auch Intendant geworden ist. Der war einer derjenigen, der auch ein Meilenstein war in meinem Leben, der mir die Chance gegeben hat und dran geglaubt hat. Ich glaube, das ist das Wichtigste heutzutage, gerade in unserem Beruf: Dass du jemanden hast, der dir die Chance gibt, und jemanden, der an dich glaubt. Es gibt so viele großartige Leute heute auf der Welt, es gibt so viele tolle Sänger und Darsteller – wenn du heutzutage keine Chance oder keine Möglichkeit geschenkt kriegst, dann wird es echt schwierig. Wie gesagt, es gibt zu viele von uns.

Nach WEST SIDE STORY ging es direkt in das Reading: Es gab eine Lesung und ein Casting für HINTERM HORIZONT. Wo ich eigentlich gar nicht hingehen wollte.

Und aus welchem Grund wolltest du da nicht hingehen?

Zu der Zeit war ich gerade mit Gale Tufts auf großer Deutschlandtour. Sie hat ein Soloprogramm gemacht und hat zwei, drei Tänzer und Sänger mit dabeigehabt. Es war ein ganz lieber Kollege, der leider letztes Jahr verstorben ist: Dion Davis, ein großartiger Sänger und ein ganz fantastischer Typ. Mit dem hatte ich die Ehre, dort zu stehen, mit Gale sowieso, und Michael Dickson, der musikalische Leiter von der ersten Uraufführung von CATS, das war ganz toll. Er ist auch mein Gesangslehrer gewesen. So kam auch ein bisschen Familiengefühl von der Uni mit dazu. Und Melissa King, eine tolle Regisseurin, die das mit uns gemacht hat. Mit denen war ich wie gesagt auf Deutschlandtour. Da rief mich meine Agentur an und sagte: Chris, da gibt es gerade ein Musical, HINTERM HORIZONT, die haben eine Rolle ausgeschrieben, die passt wie die Faust aufs Auge. Da waren wir mit Gale gerade in Stuttgart und haben dort gespielt. Ich dachte, ich hab gar keine Lust. Da rief man mich an und sagte: Pass auf, ich hab dir für morgen früh einen Flug gebucht und morgen um 10 Uhr ist Audition in Berlin. Ich so: Was? Okay. Ich bin dann nach der Show völlig fertig nach Berlin geflogen, hab dann morgens meine Audition gemacht und war unfassbar müde und fertig. Was nachträglich genau das Richtige war für die Rolle. Es ging halt nur um dieses Reading und ich habe dann die Rolle von dem Steve bekommen, also von dem Sohn von Udo Lindenberg, für dieses Reading in Hamburg. Ich bin dann immer hin- und hergeflogen und hab dann das Reading gehabt, das lief toll dort. Dann ging es immer weiter, dann gab es noch mehr Casting-Prozesse, dann habe ich WEST SIDE STORY immer wieder gespielt. Ich war Montag und Dienstag in Hamburg und Berlin am casten und Reading halten und die restlichen Tage Show spielen in Hof. Das war schon eine Ecke. Aber man hat das alles gern gemacht und das war eine ganz tolle Zeit.

Dann ging es halt los mit HINTERM HORIZONT. Da war ich beim Casting gewesen und kam immer weiter – und irgendwann saß ich kurz vor der Vorstellung in Hof und da kam der Anruf vom Theaterleiter, der gesagt hat: Chris, wir hätten dich gern dabei. Das war eine Super-Vorstellung danach. Danach kam HINTERM HORIZONT und das war eine ganz tolle Zeit für mich.

Geprägt hat mich eigentlich alles. Ich glaube, wenn ich irgendetwas nicht gemacht hätte, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Jede Produktion war ein Schritt zu dem, was ich jetzt tue.

HINTERM HORIZONT – das Berlin-Musical mit den Songs der Kult-Ikone Udo Lindenberg. Bereits zur Welturaufführung 2011 gehörtest du zur Hauptbesetzung. Erzähl uns ein wenig von deiner Erfahrung in dieser Produktion und was dir am meisten Freude dort bereitet hat. Gab es speziell bei dieser Produktion lustige Pannen, die dir oder deinen Kollegen passiert sind und an die du dich gerne mit einem Lächeln im Gesicht zurückerinnerst?

Eigentlich erinnere ich mich da an alles gerne zurück. Es war echt eine großartige Zeit, durchgehend. Erstmal ist es eine unfassbare Ehre gewesen, das mit Udo zusammen zu machen. Udo war bei den ganzen Casting-Prozessen dabei, der hat uns auch mit ausgesucht zum Schluss; er wollte mich zum Schluss adoptieren, hat meine Mama gefragt, ob er mich adoptieren kann, weil ich ja sein Sohn bin im Stück. Man kam halt mit den Leuten zusammen. Das Schönste an HINTERM HORIZONT war, dass es eine Welturaufführung war und man jetzt ein Teil dieser Familie war. Wir haben abends mit der Regie, mit Udo Texte selber entworfen, so, dass es im Nachhinein wirklich Arsch auf Eimer passte. Wenn du die Leute in dem Stück gesehen hast, dann hast du gedacht: Das ist er! Das sind die Leute!

Ich hab ja insgesamt fast 1.000 Shows gespielt und es gab so viele lustige Momente. Ich habe das Glück gehabt, dass ich nicht nur Steve war, der Sohn von Udo Lindenberg, sondern auch die Zweitbesetzung von Udo, von der großen Hauptrolle. Das war immer witzig, wenn man dann vom Sohn zum Vater in Minuten gesprungen ist, bei einer Doppelshow, nachmittags Sohn, abends Vater.

Einer der schlimmsten Momente als Udo-Darsteller: Es gibt eine Nummer in diesem Stück, die heißt „Wenn du durchhängst“, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir haben auf der Bühne einen Riesenhut und der Udo-Darsteller wird von ganz oben vom Dach runtergefahren, 20 Meter, auf dem Hut abgesetzt, und dann fährt der Hut mir dir als Darsteller noch einmal 15 Meter nach unten. Da sang ich dieses Lied und da gab es anscheinend ein technisches Problem. Auf jeden Fall fuhr der Hut nicht hoch, sondern runter, und ich fuhr hoch. Ich hing dann in der Luft und sang „Wenn du durchhängst“. Das war ein witziger und auch schrecklicher Moment, weil man nichts gesehen hat. Du hast halt nichts mitgekriegt von dem Moment, weil du im Dunkeln hängst, mit Sonnenbrille und allem drum und dran. Ansonsten: Es gab Versprecher… Das ist halt das Tolle, weil es live ist. Es gab immer wieder Momente, die wunderschön waren und die mich zu Tränen gerührt haben. Als ich aufgehört habe vor zwei Jahren bei HINTERM HORIZONT – ich war letztes Jahr noch einmal da, aber ich hatte ja für WE WILL ROCK YOU ein Jahr Pause gemacht bei HINTERM HORIZONT – hatte ich einen großartigen Abschied gehabt. Serkan Kaya, unser Hauptdarsteller, der hat eine Rede gehalten für mich vor versammelter Mannschaft, vor Publikum am Schluss. Da rollten allen mal kurz die Tränen. Weil man wirklich in den letzten Jahren zur Familie zusammengeschweißt ist und das Baby quasi aufgezogen hat und jetzt man das Kind laufen. So ein Abschied ist halt immer ein bisschen schade.

Vor drei Wochen fiel dann der Startschuss für WE WILL ROCK YOU in München. WE WILL ROCK YOU ist die Produktion, die das Theater nach einer längeren Umbauphase wieder eröffnete, sozusagen zwei Premieren auf einmal; ein wahrer Grund zum Feiern. Du spielst die Hauptrolle des Galileo. Wie kam es dazu, dass du für diese Produktion engagiert worden bist, und was bedeutet es für dich, gerade in diesem Theater zu spielen?

Wie kam es dazu, dass ich die Rolle gekriegt habe? Ich war beim Casting. Ganz einfaches Prinzip: Ich bin zum Casting gegangen, habe mich vorgestellt und irgendjemand hat wahrscheinlich gesagt: Finde ich cool, machen wir. Und dann habe ich die Rolle bekommen. Also ganz normal Casting-Prozess, ging ewig lange, wie man es aus dem Fernsehen kennt: mit Recall und Re-Recall und Re-Re-Recall und Final und Final Call und was es da nicht alles gibt. Fürchterliches Prinzip manchmal. Immer wieder diese Nervosität, immer wieder vor den Leuten präsentieren, das war echt hart. Das Tolle war, dass die großen Leute, Brian May, Roger Taylor, Ben Elton, dass die einen ausgesucht haben. Die letzte Überlebenden von Queen und der von WE WILL ROCK YOU – dass die sich die Leute wirklich angeguckt haben und gesagt haben: You’re the next Galileo. Das war ein irres Gefühl. Gänsehaut pur ist untertrieben. Das war eine ganz, ganz große Sache, auf die ich mich da einlassen wollte.

Wir waren ja letztes Jahr schon in Basel und Essen, wo das ganze anfing. Das war ein toller Start. Jetzt hatten wir ein Jahr Pause, jetzt war ich wieder kurz bei HINTERM HORIZONT und habe ein paar Projekte noch gedreht. Jetzt waren wir natürlich alle ganz happy, als WE WILL ROCK YOU anrief und sagte: Chris, wir ziehen weiter – hast du Bock, willst du es noch einmal machen? Da habe ich gesagt: Gar keine Frage, natürlich. Gerade Galileo – die Rolle ist eines der größten Geschenke, die man als Darsteller glaube ich kriegen kann.

Die Eröffnung hier im Theater war, wie du schon sagst, eine doppelte Premiere. Wir hatten ein volles Haus, die Leute sind ausgerastet. Wir hatten eine Riesen-Premiere, wir haben uns alle gefühlt wie bei der Weltpremiere von WE WILL ROCK YOU. Das war eine ganz, ganz tolle Sache – ist es immer noch, es macht immer noch tierisch Spaß, es ist eine große Ehre, dieses Stück zu machen. Ich habe unfassbar tolle Kollegen an meiner Seite, ein tolles Team, von der Technik angefangen bis zur Leitung und bis zur Regie; das sind alles Leute, die einen wirklich in jeglicher Form unterstützen und zusammen diese Reise fahren wollen. Und das machen wir gerade: Wir fahren gerade eine WE WILL ROCK YOU Reise, die, wenn es nach uns geht, nie aufhören sollte.

Hat die Rolle des Galileo auch etwas Persönliches von dir, sprich, erkennst du dich in dieser Rolle ein bisschen wieder?

Christopher Brose

Christopher Brose

Das ist das Schöne an diesen Rollen: Dass man sie füllen kann, mit seinem eigenen Zeug. Natürlich ist der Text vorgegeben, die Songs sind vorgegeben, die Choreografie ist vorgegeben, das ist klar. Prinzipiell hatten wir, gerade ich und meine Partnerin, Janine Wacker, die bei uns die Scaramouche spielt, wir hatten so viele Freiheiten. Ich sag immer gerne: Wir wurden von der Regisseurin an die Leine genommen, aber durften laufen; so wie eine Ziehleine, wo man den Hund so laufen lassen kann, dann zieht man ihn zurück, wenn er durchdreht. Das war dasselbe Prinzip. Das war toll. Wir hatten da ganz viel Freiraum. Von mir ist natürlich auch ganz viel mit drin. Ich kann loslassen. Ich kann hier abends alles, was mich gerade beschäftigt oder in mir drin ist, rausgeben. So ein kleiner Rebell ist nicht nur in dem Stück, sondern ist auch in mir drin. Es kommt so ein bisschen das Kind manchmal raus und das ist ganz toll; die Bühne ist manchmal wie ein kleiner Spielplatz und da kannst du dich echt auslasten. Was du ja in der normalen Welt draußen nicht kannst, in der normalen Welt bist du wirklich gefangen mit irgendwelchen Sachen, musst deine Rechnungen bezahlen, musst einkaufen gehen, und musst das machen… Auf der Bühne gibt es das halt nicht so wirklich. Und das ist halt schön. Ich hab einen schönen Satz. Und zwar sag ich immer gerne: Die Realität der Kunst ist oft schöner als die Wirklichkeit des Lebens. Okay, das geht jetzt sehr tief grade – aber ich finde, das ist genauso. Auf der Bühne fühlst du dich manchmal so wohl, dass du so traurig bist, wenn der Vorhang gefallen ist und du denkst: Verdammt. Jetzt muss ich wieder auf die Straße.
Ich glaube, es steckt mehr von der Figur in mir, als ich der Figur geben kann. Ich glaube, Galileo gibt mir mehr Möglichkeiten, als Chris Galileo geben kann.

Die aktuelle Inszenierung von WE WILL ROCK YOU läuft noch bis zum 13. Dezember in München. Danach geht es weiter nach Frankfurt am Main, von wo aus es dann im Januar 2015 in die österreichische Hauptstadt Wien geht. Dort wird es dann bis zum 1. März 2015 zu sehen sein. Wirst du während dieser Zeit komplett auf der Bühne stehen oder gönnst du dir in der Zwischenzeit auch einmal kurze Auszeiten?

Ich bin komplett dabei. Es ist toll, dass ich komplett dabei sein darf. Auszeit – wer braucht denn so was? Urlaub? Braucht kein Mensch. Ist ja langweilig.

Nein, ich mache die ganze Tour mit und außer dem einen freien Tag, der Montag ist immer frei, ansonsten bin ich die ganze Zeit auf der Bühne. Und ich freue mich drauf. Ich bin fit und freue mich auf die Zeit, die kommt, und freue mich auf die Leute, die hoffentlich in das Stück kommen und es lieben werden.

Jung und dynamisch – ein kleiner Workaholic, sozusagen. Wie eingangs schon erwähnt, ist WE WILL ROCK YOU eine der erfolgreichsten Musical-Produktionen überhaupt. Für viele Darsteller ist es ein Lebenstraum, einmal in dieser Produktion auf der Bühne zu stehen. War es bei dir auch so? Was denkst du, ist der Grund, warum so viele Zuschauer von WE WILL ROCK YOU begeistert sind?

Lebenstraum ist immer so ein großes Wort. Ich glaube, es ist einfach eine unfassbare Ehre und eine unfassbar tolle Sache und eine unfassbare Arbeit, in dieser Show auf der Bühne stehen zu dürfen. Wir sind ja weltweit die einzige Produktion, die es gibt von WE WILL ROCK YOU. WE WILL ROCK YOU gab es überall und auf jedem Kontinent – weiß ich nicht, wie viele Produktionen es von WE WILL ROCK YOU gab. Und wir sind jetzt derzeit die einzige Produktion, die es gibt. Das ist irre. Wir erzählen die Geschichte von Queen. Erstens ist das ein Riesendruck, zweitens ist es eine riesengroße Freude und es macht Riesenspaß und es ist eine riesengroße Ehre. Natürlich ist es eine tolle Sache, hier zu stehen und das zu machen.

Warum es so gut ankommt – und ich merke es ja selber bei uns: Weil wir jeden Abend voller Freude wieder dieses Stück spielen und du nie einschläfst und du nie müde wirst. Egal, ob du mal krank bist oder irgendetwas hast, diese Show reißt dich jedes Mal wieder hoch. Ich glaube, das liegt daran, dass nicht nur die Geschichte unfassbar toll geschrieben ist, weil die Songs legendär und bombastisch sind, sondern weil diese Kombination von beidem zusammen so toll ist. Queen ist eine zeitlose Musik. Queen geht nicht unter. Queen wird immer leben, egal, wie lange es schon her ist mit der Band, egal, wie viel passiert ist oder was passiert ist. Queen wird immer ein Teil der Musikgeschichte sein. Das ist glaube ich eine ganz entscheidende und wichtige Sache. Ich glaube, die Leute, die herkommen und die es gesehen haben – und wir haben viel Resonanz bekommen – die Leute erwartet hier einfach eine unfassbare Geschichte, mit tollen Songs eingebettet, ein Abend voller Leidenschaft und Emotionen. Und ein kurzer Ausflug in eine Welt, die es draußen halt nicht gibt. Ein kurzer Ausflug in eine fiktive Welt, in der man mal wirklich loslassen kann und sich selber ein bisschen frei machen kann und sich auf diese Reise einfach einlassen kann. Es ist nicht nur für die Leute, sondern auch für uns das schönste Gefühl, wenn die Leute stehen und klatschen und jubeln. Das ist ein Geben und Nehmen. Wir geben uns da alle gegenseitig ganz viel.

Vorhin hast du ja schon gesagt: Freizeit, Entspannung – braucht kein Mensch. Nichtsdestotrotz hast du auch Freizeit – wie verbringst du die und was bereitet dir am meisten Freude?

Schlafen. Ernsthaft: schlafen. In meiner Freizeit gucke ich gerne McGyver – für die Leute, die es kennen, McGyver, der aus einer Aspirin und einem Kaugummi eine Bombe basteln konnte. Ich mache ganz viel mit Freunden, ich fahre so oft ich kann zur Familie. Viel Freizeit ist es nicht, aber die Zeit, die ich habe, genieße ich und tue nichts.

Chris, wir beide sind jetzt am Ende des Interviews angelangt. Ich bedanke mich im Namen von meinem Musical1-Team und unseren Fans recht herzlich bei dir. Für die nächsten Shows wünsche ich dir alles Gute und viel Spaß und Erfolg. Von unserem Publikum verabschiede ich mich hiermit auch und freue mich, wenn Ihr beim nächsten Musical1-Podcast wieder dabei seid.

Da schließe ich mich an. Ganz, ganz lieben Dank dir und Euch fürs Zuhören und fürs Einschalten. Es war eine schöne halbe Stunde. Ich freue mich, Euch ganz bald zu sehen. Kommt nach München! Wir sind jetzt noch bis zum 13. Dezember in München, danach geht es nach Frankfurt, danach sind wir in Wien, im Januar. Kommt vorbei, guckt Euch die Show an! Es ist eine ganz, ganz tolle Show, die macht unfassbar viel Spaß. Ich hoffe, wir rocken ganz bald zusammen!

Kategorie: Podcast

Autor: C. Demme (30.09.2014)

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