Tickets für die besten Musicals sichern: Jetzt Tickets kaufen

Beziehungskiste begeistert – Die letzten 5 Jahre in Kiel

Am 31.01.2015 hatten „Die letzten 5 Jahre“ ihre Premiere im Schauspielhaus Kiel. Es spielten Enrico de Pieri und Maxine Kazis unter Regie von Jörg Diekneite und musikalischer Leitung von Axel Riemann.Eine Liebesgeschichte und –tragödie in einem Stück, wie es viele davon gibt. Die Erzählweise ist es jedoch, die dieses Stücks besonders macht. Lesen Sie, was das Kieler Premierenpublikum zu Begeisterungsstürmen veranlasste!

Teile diesen Beitrag

© struck-foto
Die letzten 5 Jahre (Kiel) © struck-foto

Verzwickte Handlung

Jamie ist ein aufstrebender Jungautor, der plötzlich Erfolg hat. Cathy ist eine eher weniger bekannte Sängerin, die zwar „diesen Sommer in der Lokalpresse ganz gut erwähnt wurde“, aber deren Karriere nicht so erfolgreich ist, wie sie es sich erwünscht. Jamie und Cathy sind zwei äußerst komplexe Charaktere, die sich in dem knapp 90-minütigen Stück, unterschwellig aber dennoch stetig, in einem Konkurrenzkampf befinden. Der Zuschauer bekommt beide Sichtweisen zur gleichen Zeit präsentiert. Jamie erzählt seinen Werdegang der letzten fünf Jahre chronologisch: die Schmetterlinge im Bauch als er seine „Göttin“ kennen und lieben lernt. Der Anruf eines Verlags, der Interesse an seinem Erstlingswerk hat, der aufkommende Erfolg und Ruhm. Zeitgleich das Zusammenleben mit Cathy. Sein Weihnachtsgeschenk an sie, damit auch ihre Karriere erfolgreicher wird. Dann noch der Seitensprung und das Wiedersehen mit Cathy, nur um mit ihr Schlusszumachen. An sich könnte schon mit dieser Geschichte ein eigenes Stück gestaltet werden. Jason Robert Brown hat sich jedoch dazu entschlossen auch noch die Sichtweise Cathys in dem Stück unterzubringen. Um es dem Zuschauer nicht zu einfach zu machen, erzählt sie ihre Sicht der Dinge in entgegengesetzter Reihenfolge und beginnt mit der leidvollen Trennung, dem kläglichen Versuch, ihre Beziehung doch noch zu retten und dem „Sommer in Ohio“, wo sich erste Erfolge als Sängerin einstellen. Ihre Rückblenden zeigen, wie sie teilnimmt an Jamies Erfolg, wie sie die erste Verabredung in Erinnerung behält und wie aufgewühlt und verliebt sie am Anfang war.

Überzeugende Inszenierung

Betritt man den Saal des Schauspiel Kiels, erhält der Zuschauer zunächst Blick auf eine doch recht große Bühne. Dank Videoprojektion wird ein regnerischer Tag simuliert. Die Bühne ist durch einen Holzrahmen visuell in zwei Teile getrennt. Das Saallicht ist nur halb gedämmt, als rechts und links noch jeweils eine Person den Saal betritt. Sie und er gehen bis zur Bühne vor, betreten diese von den entgegengesetzten Seiten und rempeln einander an. Cathy lässt ihre Einkaufstaschen fallen und beginnt dem Zuschauer, beinahe schreiend, ihr Leid zu klagen: „Ich steh weinend da“. Sehr zügig wird Cathy jedoch einfühlsam und man hat Mitleid mit der Frau, die zunächst etwas einsam auf der Bühne wirkt.

Im Verlaufe der nächsten 80 Minuten, zeigt Maxine Kazis eine enorme Bandbreite sängerischer und schauspielerischer Leistung: einfühlsam, teils witzig und auch überschwänglich; ihr pointiertes Schauspiel zieht das Publikum in den Bann. Nicht anders Enrico de Pieri als Jamie: seine starke Stimme, die exzellenten Wechsel zwischen den Gefühlslagen und das überschwängliche Spiel mit seiner Partnerin, wenn es die Handlung zulässt. Eindrucksvoll erscheint er vor allem als Cathy ihr „Schau ich lächle“ vorträgt: An sich ist Jamie hier nur als „Requisite“ auf der Bühne ist – beschreibt Cathy doch gerade seinen Besuch bei ihr und versucht, die Beziehung zu retten. Dann jedoch, mitten in ihrem Lied, erhält er seinen ersten Anruf des Verlags und muss hierauf freudig reagieren, nur um sofort wieder zum „steinernen“, ernsten Jamie zu werden, der sich von Cathy trennt.

Beide Darsteller hinterlassen einen starken Eindruck! Vielfach scheint es, als wenn es einfacher wäre mit Jamie mitzufühlen. Dies ist jedoch der Struktur des Stücks geschuldet: während sich Jamies chronologische, kausale Perspektive leicht verfolgen lässt, verlangt Cathys Darstellung den Zuschauern mehr Mühe ab. Doch auch ihr kann man nachfühlen. Ungewohnt, wenn auch passend, erscheint Jamies Geliebte, dargestellt von Tina Kliemann, in “Keiner muss das erfahr’n”. In vielen Szenen sind beide Darsteller auf der Bühne zu sehen. Allerdings agiert der Eine dann meist nur als Standbild in der Erinnerung des Anderen (Regie: Jörg Diekneite). Einzig beim Heiratsantrag, dem Wendepunkt des Stücks, interagieren de Pieri und Kazis tatsächlich miteinander.

Die Kostüme (Sabine Keil) wirken anfangs teils veraltet – warum sollte ein 23-jähriger Student in Weste und schickem Anzug herumlaufen und warum erscheint Cathy in einem pinken Mantel, der in den 1960ern bestimmt modern war? Warum konnte dieses doch sonst zeitlose Stück nicht in der Gegenwart spielen? Dennoch unterstrichen gerade solche Details die Texte (Jason Robert Brown, dt. Fassung von Wolfgang Adenberg) und die Handlung der einzelnen Szenen. In „Ich bin Teil davon“ serviert Cathy mit (alt-)modischer Kittelschürze Jamie einen Kaffe. Das typische Klischee bedienend, erkennt sie schmerzvoll, dass sie eventuell Teil seines Erfolges ist, aber definitiv mehr von sich erwartet, als eben dieses Klischee zu bedienen. Mal wieder stehen beide Darsteller nebeneinander auf der Bühne und visualisieren auf diese Weise den Beziehungsstatus von Jamie und Cathy.

gelungene Videoprojektion

Wer andere Inszenierungen von „Die letzten 5 Jahre“ gesehen hat, den mögen Videoprojektionen nachdenklich stimmen, aus Angst, sie könnten von der komplexen Handlung des Stückes ablenken und das Stück negativ beeinflussen. Ein großes Lob jedoch an Konrad Kästner, der diese so einsetzt wie es sinnvoll ist: Die Atmosphären der einzelnen Szenen werden unterstrichen, ohne allzu aufdringlich zu wirken. Es werden kleine Details hinzugefügt, wie beispielsweise zahlreiche Musical-Plakate, als Cathy in Ohio an ihrer Karriere feilt oder Jamies Buchcover, als er eine Lesung gibt. Der herbstliche Park, in dem die beiden ihre erste Verabredung verbrachten oder auch die regnerische Straße, als sie sich trennen. Geschickt wird das jeweilige Geschehen untermalt, ohne groß von der Handlung abzulenken. Besonders in Erinnerung bleibt den Zuschauern wohl Schmuel. Das Lied wird nicht nur von Enrico de Pieri stimmungsvoll inszeniert, sondern auch noch durch einen schwarz-weiß Einspieler visuell unterstützt! Ob die Szenenlacher den Darstellern geschuldet waren, deren Zusammenspiel grandios war oder doch der sprechenden Uhr des Einspieler, vermag man nicht zu sagen.

Inszenierung begeistert

Bei der Premiere am 31.01.2015 war das Publikum begeistert. Langanhaltender Applaus, Pfiffe und Begeisterungsrufe forderte alle Beteiligten mehrfach zur Verbeugung auf. Bisher sind noch vier weitere Aufführungen bis Ende März geplant.

  • Di, 03.02 – 20:00 Uhr
  • Di, 03.03 – 20:00 Uhr
  • Fr, 20.03 – 20:00 Uhr
  • So, 29.03 – 19:00 Uhr

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

Autor: R. Imping (02.02.2015)

Teile diesen Beitrag

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen