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AVENUE Q begeistert Hagen

Gefeierter Spielzeitauftakt: Am 5.09.2015 feierte AVENUE Q im Theater Hagen Premiere. Das Stück wird in Kooperation zwischen dem Theater Hagen und der Hochschule für Musik Osnabrück aufgeführt. 9 Puppen und 3 Menschen schafften es, den Saal zu begeistern: am Premierenabend gab es langanhaltende, stehende Ovationen für alle Mitwirkenden.

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© Klaus Lefebvre
Avenue Q Ensemble Hagen 2015 © Klaus Lefebvre

Rassismus, Pornographie und Coming Out

Robert Lopez und Jeff Marx wollten ursprünglich eine Puppen Show für Erwachsenen entwickeln. Fernsehproduzenten bekundeten kein Interesse, Broadway Produzenten schon. 2003 feierte Avenue Q seine Premiere am Broadway, 2006 am West End. Seither wurde das Stück in vielen Ländern aufgeführt und in mehrere Sprachen übersetzt. Die deutschsprachige Erstaufführung gab es 2011 in St. Gallen (Schweiz). 2012 wurde Avenue Q in Mannheim gezeigt. Thematisiert werden einige Schwierigkeiten des normalen Lebens: Pornographie, Rassismus, Freundschaft, Coming Out, Arbeitslosigkeit – und wer ehrlich zu sich ist, stimmt den Puppen in vielen Dingen zu.

Diesen Puppen kann man nicht böse sein

© Klaus Lefebvre

© Klaus Lefebvre

Avenue Q – das ist eine fiktive Straße einer heruntergekommenen Gegend New Yorks. Hier wohnen 3 Menschen Tür an Tür mit Puppen: Brian ist ein arbeitsloser Entertainer, Christmas Eve, seine Verlobte, eine japanische Therapeutin. Agnetha Fältskog ist nicht nur ehemaliges ABBA Mitglied, sondern auch die Hausmeisterin der Avenue Q. Eines Tages taucht Princton dort auf, weil er eine bezahlbare Wohnung sucht. Er hat soeben seinen Studienabschluss geschafft und bezieht eine freie Wohnung. Ferner wohnen in der Av. Q noch Kate Monster, eine Kindergartenassistentin und Trekkie Monster, ein haariger, vom Internet begeisterter Sonderling. Rod, ein Banker, und Nicky, ein Faulpelz, teilen sich eine Wohnung. Im Laufe der Handlung tauchen noch die Bad Idea Bears auf – zwei niedliche Bären, die die „besten Ideen“ haben und Frau Semmelmöse, die Kindergartenleiterin. So niedlich diese Puppen auch sind – nicht ohne Grund ist das Musical mit FSK 16 angegeben. Die Puppen mischen die Bühne auf und sind dabei äußerst ehrlich, teils ironisch, teils politisch völlig inkorrekt. Sie besingen das Leben: die große Liebe, Arbeitslosigkeit, Rassismus und den Sinn des Lebens. Doch gerade weil es die Puppen sind, die dies tun und nicht der Mensch, der ihnen Leben einhaucht, kann man ihnen bei all der Ehrlichkeit nicht böse sein. Inszenatorische zeigt Sascha Wienhausen kleine Änderungen gegenüber der Originalversion, durch die jedoch genau diese „Phantasiewelt“ deutlich geschaffen wird.

Nur für einen Moment

Mit Marilyn Bennett (Agnetha Fältskog), Tillmann Schnieders (Brian) und Maria Klier (Christmas Eve) stehen drei erfahrene Darsteller des Ensembles Hagen auf der Bühne. Begeistern kann vor allem Maria Klier (Christmas Eve), mit ihren Kampfkünsten und einer enorm schnellen Zunge. Die Rolle des Hausmeisters der Avenue Q ist in allen Produktionen frei zu besetzen. In den USA ist es meist Kinderdarsteller Gary Coleman, in Mannheim war es Daniel Kübelböck. In Hagen hat sich Wienhausen mit seinem Team für das ehemalige ABBA Mitglied entschieden, da dieser bekannter sei als Kübelböck. Teilweise, wenn jede Textzeile der Agnetha auf einen anderen Hit der ehemaligen Band verweist, hat man jedoch das Gefühl, eher in einer ABBA Revival Show gelandet zu sein.

© Klaus Lefebvre

© Klaus Lefebvre

Die Rollen der Puppen wird von Studierenden der Hochschule Osnabrück übernommen. Ob einfühlsam, energisch oder verführerisch – alle Darsteller hauchen ihrer Puppe Leben ein: Carolina Walker spielt ihre Kate introvertiert naiv. Joyce Diedrich gibt eine verführerische, wenn auch wenig verruchte Lucy. Nach kurzer Zeit glaubt der Zuschauer, die Puppe würde singen. Alle Darsteller schaffen es sich in ihre Puppen hinein zuversetzen. Bewegungen der Puppe und Gestiken der Darsteller sind synchron – famos!

Ulrike Reinhard (Bühne & Kostüme) nutzt die Tiefe und Größe der Hagener Bühne geschickt aus: Die, für Avenue Q übliche, Häuserfront wurde durch ein hohes Gerüst, dass sowohl als „Empire State Building“ oder auch Innenraum der Häuser fungieren kann. Weiterhin wurden einzelne Zeilen eines Liedes visuell unterstützt, sodass tatsächlich ein Skater über die Bühne rollt, eine Frau mit Kinderwagen, …

Die sechsköpfige Liveband ist hinter der Häuserfront versteckt und spielt, unter der Leitung von Steffen Müller-Gabriel, die fetzigen Lieder von Lopez und Marx auf. Viele der Songs haben echtes Ohrwurmpotential.

Genauso, wie die Darsteller ihren Puppen zu Beginn des Abends Leben eingehaucht haben, als diese aus den Transportkisten genommen wurden, wird auch das Ende des „Puppenspiels“ klar visualisiert: Die Puppen werden wieder auf ihre Stäbe in der Box gehangen. Die Thematik und Sprache des Musicals äußerst direkt. Eben durch diesen inszenatorischen Kniff wird dem Publikum verdeutlicht, dass es sich „nur“ um Puppen handelte. Und wer kann Puppen schon böse sein? Das Premierenpublikum zumindest nicht – es dankte den Darstellern ihren Einsatz mit stehenden Ovationen und langanhaltendem, lauten Jubel.

Theater unterwegs

Der Großteil der Vorstellungen wird im Theater Hagen aufgeführt. Karten hierfür gibt es bereits im Vorverkauf. Im Rahmen von „Theater unterwegs“ sind jeweils zwei Vorstellungen in Minden und Osnabrück geplant.

  • Freitag, 18.09.15 – 19:30 Uhr
  • Sonntag, 27.09.15 – 18:00 Uhr
  • Sonntag, 11.10.15 – 18:00 Uhr
  • Samstag, 24.10.16 – 19:30 Uhr (Theater Minden)
  • Sonntag, 25.10.16 – 19:30 Uhr (Theater Minden)
  • Mittwoch, 04.11.15 – 19:30 Uhr
  • Mittwoch, 18.11.15 – 19:30 Uhr
  • Samstag, 19.12.15 – 19:30 Uhr (Theater Osnabrück)
  • Samstag, 02.01.16 – 19:30 Uhr (Theater Osnabrück)
  • Samstag, 09.01.16 – 19:30 Uhr
  • Donnerstag, 21.01.16 – 19:30 Uhr
  • Freitag, 05.02.16 – 19:30 Uhr
  • Freitag, 29.04.16 – 19:30 Uhr
  • Freitag, 06.05.16 – 19:30 Uhr

Besetzung

  • Agnetha Fältskog – Marilyn Bennett
  • Brian – Tillmann Schnieders
  • Christmas Eve – Maria Klier
  • Princton – Nicolai Schwab
  • Kate Monster – Carolina Walker
  • Rod – Kim-David Hammann
  • Nicky – Michael Thurner
  • Trekkie Monster – Maciej Bittner
  • Lucy – Joyce Diedrich
  • Bad Idea Bear I / Ricky/ Neuankömmling – Vicco Farah
  • Bad Idea Bear II – Carolin Waltsgott
  • Frau Semmelmöse – Stephanie Junge
  • singende Kartons – Mariyama Ebel, Vicco Farah, Carolin Waltsgott

Kreativteam

  • Musikalische Leitung: Steffen Müller-Gabriel
  • Inszenierung: Sascha Wienhausen
  • Choreografie: Barbara Tartaglia
  • Bühne & Kostüme: Ulrike Reinhard
  • Video: Lieve Vanderschaeve
  • Licht Design: Achim Köster
  • Dramaturgie: Miriam Michel
  • Ton: Arndt Esser, Rolf Köppermann
  • Maske: Ron Bomius
  • Dance Captain: Kim-David Hammann, Stephanie Junge

Kategorie: Avenue Q,Kritiken

Tags:

Autor: R. Imping (09.09.2015)

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