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Auf eine Partie Schach in Graz – CHESS an der Oper Graz

Die CHESS-Premiere in der Grazer Oper war dominiert vom Kampf zwischen Schwarz und Weiß. In dem Musical der ABBA-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus geht es vordergründig nur um eine Schachweltmeisterschaft. Doch der amerikanische und der russische Spieler werden während des Kalten Kriegs selbst zu Figuren im schmutzigen Spiel der Weltpolitik zwischen den Supermächten USA und UdSSR.

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Partie Schach in Merano
Richard F. Jähnig (Walter de Courcey), Annemieke van Dam (Florence Vassy), Marc Lamberty (Frederick Trumper), Sven Fliege (Schiedsrichter), Nikolaj A. Brucker (Anatoly Sergievsky), Pop Chor, Ballett der Oper Graz, Chor der Oper Graz © Werner Kmetitsch

Weiße Eröffnung

Vieles ist in dieser Inszenierung quadratisch, praktisch, gut. Stimmig auf das Schachthema abgestimmt ist die Bühne von Ulv Jakobson. Schon von Beginn des Musicals wurde auch in Graz auf zahlreiche Schachassoziationen zurückgegriffen. Die Eröffnung steht laut den Regeln dem weißen Spieler zu und auch das Musical beginnt mit einem weißen Quadrat, das hoch über der sonst im dunklen Schwarz versunkenen Bühne aufleuchtet. Allmählich größer werdend beginnt das Spiel.

Spiel der Mächte

Anatoly und Florence im Hotelzimmer

© Werner Kmetitsch

Der amtierende Weltmeister Frederick Trumper, ein exzentrischer Egoist, der gerne provoziert kommt mit seiner Freundin  und Managerin Florence im italienischen Meran an und sorgt für Aufsehen. Kurz darauf trifft auch sein Rivale um den Meisterschaftstitel, der Russe Anatoly Sergievsky. Schnell wird klar: Jeder der Spieler hat einen ganzen Stab an Betreuern dabei, die als Sekundanten versuchen im Hintergrund die Strippen des bevorstehenden Duells zu ziehen. Das Schachspiel gerät zur Nebensache und der Machtkampf tritt in den Vordergrund in dessen Mühlen schnell auch Florence gerät. Die junge Frau will aber bei dem Spiel der Mächte nicht mitmachen und verliebt sich in den vermeintlichen Klassenfeind aus Russland, der mit ihr in die USA flieht. Doch ihre Vergangenheit, ihre Kindheit in Ungarn, holt sie schnell ein.

Schach in Schwarz und Weiß bis ins letzte Detail

One night in Bangkok

© Werner Kmetitsch

Regisseur Thomas Winter hat sich mit seiner Inszenierung viel Mühe gegeben, greift aber auch auf bekannte Rezepte zurück: Den Kostümen (ebenfalls Ulv Jakobsen) in Schwarzweiß, die in einzelnen Elementen Akzente der späten 70er und frühen 80er zitierten, gelingt es echte Typen zu kreieren, wie den extravaganten exzentrischen Charakter Frederick Trumper (Marc Lamberty) im auffällig roten Anzug. Vereinzelt wird auch in den Kostümen die Schachthematik aufgenommen, zum Beispiel durch weiße Hosenträger zu schwarzem Hemd. Selbst in der Choreografie, (Danny Costello) bei der sogar einzelne Schritte an die Züge der Figuren auf dem Brett erinnern, wird das Schachthema aufgegriffen. Vor allem der Pop Chor rund um Andreas Wanasek ist sowohl optisch als auch choreografisch total ins Schachthema eingebunden. Das Quartett bringt etwas schwung in die teilweise sehr ernste und langatmige Handlung. An einigen Stellen erinnern die Vier auch an ABBA.

Charakterstudie

Florence und Svetlana

© Werner Kmetitsch

Als Dame im Spiel der Mächte machte Annemieke van Dam eine gute Figur. Selbst schwierige Passagen meisterte sie gekonnt und zeigt den bis in die kleinen Nuancen  ausgearbeiteten Charakter mit vielen Brüchen, der versucht die Menschen nach ihrer Persönlichkeit zu beurteilen. Der ein oder andere Mann ging bei Florence Vassey schon mal schachmatt. Als Schiedsrichter, der sich auch immer wieder an das Publikum wandte, brillierte Sven  Fliege sowohl optisch als auch stimmlich. Bei seinen Songs bekam er sogar Szenenapplaus welche sonst vergleichsweise spärlich gesät waren.

Wenig Pepp

Musikalisch sind in der Partitur einzelne Motive zu erkennen, die stark an ABBA- Songs erinnern. Mit Chess haben sich Björn und Benny aber musikalisch weiterentwickelt und bieten – wem bisher nur die Songs von „Waterloo“ bis „Thank you for the Music“ bekannt waren – ein neuen Einblick in die Vielseitigkeit der zwei Komponisten. Das Orchester der Grazer Oper interpretiert den Sound unter der Leitung von Tom Bitterlich solide. Manchmal könnten die Musiker mehr Gas geben. Die Wucht, die wir von der Murray Head-Version des Klassikers “One night in Bangkok“ kennen, konnte nicht erreicht werden. Auch manche Passagen des schnellen Textes (Tim Rice und Björn Ulvaeus im deutschen von Kevin Schroeder) waren im Musical nur schwer zu verstehen.

Ein klares Unentschieden

Die vom Theater Chemnitz eingekaufte Produktion kommt visuell sehr gut rüber. Auch die Leistung der Darsteller ist mehr als zufriedenstellend, dennoch kommt an keiner Stelle der besondere Magic-Musical-Moment rüber der einen zum Staunen bringt oder der eine Gänsehaut verursacht. Trotz der tollen Bühne und der schönen Umsetzung sind die Themen Schach und Kalter Krieg etwas zu streng und somit endet diese Schachpartie für den Zuschauer nur mit einem Remis.

Leading Team:

  • Music: Benny Andersson und Björn Ulvaeus
  • Liedtexte: Tim Rice und Björn Ulvaeus
  • Musikalische Leitung: Tom Bitterlich
  • Inszenierung: Thomas Winter
  • Choreographie: Danny Costello
  • Bühne und Kostüme: Ulv Jakobsen

Besetzung:

  • Frederick Trumper: Marc Lamberty
  • Florence Vassey: Annemieke van Dam
  • Anatoly Sergievsky: Nikolaj A. Brucker
  • Schiedsrichter: Sven Fliege
  • Svetlana: Katja Berg
  • Molokov: Wilfried Zelinka
  • Pop Chor: Nazide Aylin, Veronique Spiteri, Peter Neustifter, Andreas Wanasek
  • Walter de Courcey Richard F. Jähnig

Weitere Vorstellungstermine und Karten finden Sie auf der Homepage der Oper Graz.

 

 

Kategorie: Allgemein,Kritiken

Autor: M. Sommerfeld (23.10.2016)

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