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Aris Sas im „Weißen Rössl“ – Von wegen „Zuaschaun kann i ned“!

Am vergangenen Freitag hatte IM WEIßEN RÖSSL mit Aris Sas Premiere im Capitol Theater Mannheim. Die Eigenproduktion unter der Regie von Joerg Steve Mohr wurde vom begeisterten Publikum mit Standing Ovations gefeiert.

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Ensemble Im weißen Rössl
Ensemble Im Weißen Rössl © Thomas Henne

Panorama und Postkartenidylle

„Bei uns da ist‘s richtig, in der Stadt ist‘s verkehrt“. Mit diesem Statement machten Piccolo Gustl (Dennis Bode) und die Briefträgerin Kathi (Maria Adriana Albu) noch im Vorgeplänkel zum Stück klar, was auf die Zuschauer zukommt. Postkartenidylle, Heimatromantik und ein unvermeidliches Happy End – in diesem Fall sogar gleich mehrere, denn: „Wenn‘s noch nicht gut ist, dann ist‘s auch noch nicht das Ende“.

Verwirrung und vier Paare

Da ist zunächst Leopold, der Zahlkellner, der unsterblich und hoffnungslos in seine Chefin Josepha, die Wirtin des Weißen Rössl, verliebt ist. Die jedoch hat ein Faible für ihren Stammgast, den Rechtsanwalt Dr. Siedler, der wiederum ein Auge auf die Fabrikantentochter Ottilie Giesecke wirft. Diese urlaubt mit ihrem Vater am Wolfgangsee. Giesecke liegt in einem erbitterten Rechtsstreit mit seinem Konkurrenten Sülzheimer und verachtet Siedler, der dessen Anwalt ist. Um eine gütliche Einigung zu finden, lädt Siedler Sülzheimer junior ins Weiße Rössl ein. Allerdings verliebt sich Sigismund schon während der Anreise im Zug in Klärchen, die Tochter des Gelehrten Prof. Dr. Hinzelmann. Was sich im ersten Moment verwirrend anhört, ist auf der Bühne sehr unterhaltsam.

Deutlich mehr Musical als Operette

Die in Mannheim gezeigte Inszenierung basiert auf der Version der Berliner „Bar jeder Vernunft“ von 1994. Die Show ist eine gelungene Mischung aus bekannten Melodien, Wortwitz, Schmäh und ganz viel Gefühl. Schließlich sind es – inklusive Piccolo und Briefträgerin – gleich vier Paare, denen die Zuschauer durch Irrungen und Wirrungen am schönen Wolfgangsee folgen müssen. Wer die klassische Operette erwartet hat, mag im ersten Moment irritiert gewesen sein. Im Capitol Theater wird die Wirtin Josepha von Céline Bouvier (dem Alter Ego des Intendanten des Rhein Neckar Theaters Markus Beisel) dargestellt. Dr. Siedler ist nicht der typische charmante Tenor, sondern ein langhaariger, kaugummikauender Schwerenöter. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird bestens unterhalten. Die Darsteller haben sichtlich Spaß an dem, was sie tun. Es ist eine herrlich überdrehte mit aktuellen Anspielungen aufgepeppte Variante, die nichts vermissen lässt. Dass auch die bekannten Melodien kein bisschen angestaubt wirken, ist der musikalischen Leitung von Daniel Prandl zu verdanken. Mit der direkt auf der Bühne platzierten vierköpfigen Band haucht er den Klassikern frischen Wind ein, ohne den ursprünglichen Charme damit wegzupusten.

Aris Sas begeistert als Leopold

Aris Sas und Celine Bouvier

© Thomas Henne

Die Besetzung ist ein Glücksgriff – jede(r) trägt zum stimmigen Gesamtbild bei. Allen voran Aris Sas. Seinen (echten) Wiener Schmäh zeigt er gleich zu Beginn mit seinem Auftritts-Lied „Aber meine Herrschaften“. Er verkörpert den Leopold mit so viel Gefühl und Überzeugung, dass man gar nicht anders kann, als mit ihm zu leiden. Sein „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“, aber ganz besonders sein Bekenntnis „Zuaschaun kann i ned“ berühren und schenken dem Stück Momente abseits jeder Komik.

Auch weitere Besetzung überzeugt

Hartmut Lehnert ist ein wunderbar polternder Giesecke und Bianca König gibt seine Tochter Ottilie mit der richtigen Dosis aus spröder Großstadt-Schönheit und verliebtem Mädchen. Ihr gehören gemeinsam mit Felix Heller als obercoolem Dr. Siedler mit „Die ganze Welt ist himmelblau“ oder „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ die bekannten romantischen Duette des Abends. Rino Galiano als Sigismund Sülzheimer („Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?“) und Kati Sommer als Klärchen sorgen für viel Gelächter, ohne jedoch ihre Figuren dabei ins Lächerliche zu ziehen. Für die besinnlicheren Momente sorgten Dr. Markus Weber mit Prof. Hinzelmanns nachdenklichem „Erst wanns aus wird sein“ sowie Hugo Steegmüller als Kaiser mit „S’ist einmal im Leben so“. Mit der Wiederholung des Kaiser-Lieds kurz vor Ende des Stücks hat Céline Bouvier ihren stärksten Moment als die toughe Wirtin ganz weich wird und doch noch ihre Liebe zu Leopold erkennt.

Das Weiße Rössl öffnet seine Pforten wieder nach der Sommerpause im September. Ein Besuch lohnt sich! Weitere Infos und Spieltermine unter www.capitol-mannheim.de.

Kategorie: Kritiken,Theater Eigenproduktionen

Autor: M. Kanz (30.07.2017)

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