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André Sultan-Sade im Interview

Als Musicaldarsteller Karriere zu machen, ist alles andere als leicht: Stage School Hamburg, diverse Auditions, Engagements und Absagen – die reinste Berg- und Talfahrt. André Sultan-Sade hat sie erlebt. Aufgegeben hat der Fürther aber nicht. Als Leiter des Metropol-Theaters Nürnberg hat der 38-Jährige seinen Weg gefunden. Musical1 sprach mit dem sympathischen Allrounder.

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André Sultan-Sade © Thomas Christ

„Die ersten drei Sekunden sind entscheidend“

Darsteller, Regisseur, Autor, Choreograf, Intendant – André Sultan-Sade ist alles. Zu viel wird es ihm aber (noch) nicht. Im Februar 2013 gründete der Absolvent der Stage School Hamburg das Metropol-Theater Nürnberg. Mit Musicals, Revue-Shows und Galas möchte er die Herzen der Zuschauer erwärmen. Denn die Welt sei kühl geworden. Und das nicht nur in der kalten Jahreszeit. Neben seinen Eigenproduktionen, wie BACKSTAGE – DAS LEBEN HINTER DEN KULISSEN, stand der lyrische Bariton zuletzt im Nürnberger Staatstheater auf der Bühne. Als Piccolo Gustl arbeitete er „Im weissen Rössl“. Sein Herz schlägt jedoch für das Musical.

Von 2007 bis 2011 tourte André Sultan-Sade mit dem Stück VOM GEIST DER WEIHNACHT als Darsteller und Dance Captain durch Deutschland. Das Capitol Theater in Düsseldorf, der Kölner Musical Dome, das Deutsche Theater in München sowie die Alte Oper in Frankfurt waren hierbei seine Arbeitsstätten. Bei den Schlossfestspielen in Ettlingen war er sowohl Ensemble-Mitglied als auch choreografischer Leiter der Musicals RENT, DRACULA, CITY OF ANGELS, THE SCARLET PIMPERNEL und CHESS. Die Rolle des Richie Valens in der Rock’n-Roll-Show BUDDY IN CONCERT hatte er bereits. Für die Casting-Show „Fame Academy“ verzichtete er allerdings darauf.

André, was sind Musicals für dich?

Mein Leben!

Dabei wolltest du erst gar keines besuchen.

Stimmt. Ich war 12 oder 13 Jahre alt. Mein Papa hat zum Geburtstag eine Karte für STARLIGHT EXPRESS geschenkt bekommen. Und wir mussten natürlich mit. Ich dachte mir nur: Oh mein Gott. Denn ich musste bei Musicals immer an den Film A CHORUS LINE denken. Und da haben sie nur englisch gesungen. Das hat mich abgeschreckt.

Bei STARLIGHT EXPRESS war dann aber alles auf Deutsch. Und du wurdest infiziert.

Ich war sofort begeistert. Wir haben anschließend in einem Hotel in Bochum übernachtet. Da hab’ ich die CD und die Starlight-Express-Tüte gleich mit ins Bett genommen.

Was hat dich an dem Musical so fasziniert?

Das Tempo, die Show, die Musik. Es ist eine Glitzerwelt. Vor allem fand ich aber Bernie Blanks als Rusty unglaublich toll. Er hatte braune Haare und braune Augen – wie ich. Also dachte ich mir damals: Das kann ich auch.

Dein Traum, als Musicaldarsteller Karriere zu machen, war geboren.

Richtig. Wobei ich schon vorher gerne Filme mit Peter Alexander, Frank Sinatra und Elvis geschaut hab’. Ich war auch im Windsbacher Knabenchor und auf der Labenwolf-Schule (musisches Gymnasium der Stadt Nürnberg; Anm. d. Red.). Nur Musicals gab es in dieser Breite eben erst, als ich schon älter war. Eines wusste ich aber schon immer: Ich möchte Schauspieler werden, der singt – oder Astronaut.

Astronaut? Das wollen viele Jungs.

Ich hab’ in meiner Kindheit viele Bücher über den Weltraum gelesen. Die Sterne und das Reisen dorthin haben mich fasziniert. Dann merkte ich allerdings, wie viel Technik und Physik dahintersteckt (lacht).

Also lieber die Sternchen auf der Bühne, als die Sterne im Weltall. Was muss ein Musical-„Star“ denn, deiner Meinung nach, mitbringen?

Leidenschaft, gutes Handwerk und vor allem soziale Kompetenz. Der Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen ist sehr wichtig. Schließlich arbeitest du in einem Team und das muss auf und hinter der Bühne funktionieren. In den Auditions kommt dazu, dass du dein Können auf den Punkt genau zeigen musst. Denn: Die ersten drei Sekunden sind entscheidend. Überzeugst du da nicht die Jury, hast du fast verloren.

In deinem Soloprogramm BACKSTAGE, mit dem du dich ja am meisten identifizierst, musst du alleine das Publikum überzeugen. Einen Bühnenpartner gibt es nicht. Wie schwierig ist das für dich?

Eigentlich gar nicht. Gut, ich muss über zwei Stunden die Leute unterhalten, aber das wurde mir in die Wiege gelegt. Meine Mama war Kosmetikerin, mein Papa arbeitete in einer Bank, mein Bruder Alexander kümmert sich in Amberg um behinderte Senioren. Uns allen liegt der Umgang mit Menschen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Auch als Intendant – ich weiß, du magst das Wort nicht – legst du viel Wert auf Menschlichkeit. Was ist dir als Leiter des Metropol-Theaters wichtig?

Das Team muss einfach zusammenpassen. Es muss zwischen uns stimmen. Dabei möchte ich ausgebildeten Muscialdarstellern und Schauspielern eine Plattform geben. Mir ist wichtig, dass jeder die gleiche Möglichkeit hat, sich zu präsentieren. Jeder soll in seiner Rolle seine Stärken zeigen können, was ja in Großproduktionen nicht immer der Fall ist.

Deine Stärke ist das Singen. Welches Stück, welche Rolle war bislang deine größte Herausforderung?

Konditionell gesehen war es die Arena-Tour mit VOM GEIST DER WEIHNACHT. Die war wirklich anstrengend. Gesanglich fand ich die Zweitbesetzung von Angel Dumott Schunard in RENT am anspruchsvollsten.

Wo liegen denn deine Grenzen?

Bei Rusty. Die Dampflok ist zwar nach wie vor meine Traumrolle, aber die Stimmlage ist einfach zu hoch. Ansonsten würde ich mich nicht unbedingt als Räuber in Federn wälzen oder nackt über die Bühne rennen wollen. Ich würde auch keine Rolle spielen, in der ich jemanden verletze oder denunziere. Das muss nicht sein.

Welche Rolle sollte es stattdessen sein?

Also sehr gerne spielen würde ich in DIE SCHÖNE UND DAS BIEST Lumière, den Kerzenständer – mit dem ich mich übrigens nicht identifiziere (lacht). Mit der Rolle stand ich ja in Oberhausen bereits im Final Callback. Aber am Ende hat es leider nicht geklappt. Ich mag lustige und fiktive Rollen. Die sind einfach fantasievoller und man kann seine Kreativität ausleben. Reale Personen muss man dagegen einfach besser kopieren.

Äußerst real war ein Coaching während deiner Zeit als Choreograf bei den Schlossfestspielen in Ettlingen.

Das war wirklich witzig. Wir probten für das Musical RENT und die Tänzerinnen hatten Probleme mit dem Poledance. Also führte ich die Damen am Abend in einen Club in Karlsruhe aus. Und da war sie, die perfekte Pole-Tänzerin. Sie war von oben bis unten tätowiert und hatte einen osteuropäischen Akzent. Ich hab’ sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, uns bei den Proben zu helfen. Und sie hatte große Lust. Mit Hotpants, Handtäschchen und Hündchen besuchte sie uns am nächsten Tag und zeigte dem Tanzensemble, was Sache ist. Die Mädels jammerten und hatten blaue Flecken. Aber von dem Tag an hörten sie auf mich (lacht).

Welches Thema möchtest du denn unbedingt noch auf die Bühne bringen?

Oh, da habe ich immer neue Ideen, denn das Leben verändert sich. Dabei hängt die Umsetzung stark vom Budget ab. Für kommenden Herbst ist allerdings ein großes Projekt in Arbeit…

…das du uns aber noch nicht verraten möchtest. Würdest du es dennoch mit drei Worten beschreiben?

Skandalös, aufregend, neu! Und es handelt sich um eine Compilation-Show.

Dann sind wir gespannt. Doch bevor wir die „skandalöse“ Show bewundern dürfen, geht es für dich ab April auf hohe See. Das „Traumschiff“ wartet.

Richtig. Bis September werde ich als Cruise Director auf dem Kreuzfahrtschiff MS Astor arbeiten. Mein zweites Standbein sozusagen.

Dein Traum, als Star bei einer Großproduktion auf der Bühne zu stehen, ist aber noch nicht ausgeträumt.

Nein. Das wünscht sich schließlich jeder Musicaldarsteller, obwohl es natürlich sehr stressig ist. Aber man weiß ja nie, was kommt.

Das aktuelle Programm des Nürnberger Metropol-Theaters:

http://www.metropoltheaternuernberg.de/

 

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: B. Schlager (27.11.2016)

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