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Aisata Blackman – Von Deloris Van Cartier zu Rachel Marron

Am kommenden Donnerstag feiert BODYGUARD – DAS MUSICAL seine große Premiere im Stage Palladium Theater in Stuttgart. Aisata Blackman wird dabei die Rolle der Rachel Marron übernehmen. Wie laufen die Proben, wie ist es in so große Fußstapfen zu treten und wie fühlt man sich als Niederländerin in Deutschland? Wir haben uns mit Aisata Blackman getroffen und sie all das gefragt.

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Aisata Blackmann Querformat
Aisata Blackmann Querformat © Rey Rodriguez Productions / Sebastian Schmidt

„Ich dachte schon bei Deloris mehr geht nicht“

Aisata Blackman war in München auf dem Weg zum Theater als sie den ersehnten Anruf von Stage Entertainment bekam. Da sie für die Auditions sowohl Songs für Nicky als auch für Rachel vorbereiten musste, wusste sie allerdings nicht, was sie erwartete. „Ich wusste, dass man eine Nicky suchte, war aber nicht sicher, ob die Rolle der Rachel noch zu vergeben ist“, erzählt die Niederländerin mit karibischen Wurzeln. „Es war mir nur klar, dass es etwas Gutes sein muss, wenn ich einen Anruf bekomme“. Wie gut es dann wirklich war, hätte sie sich nicht träumen lassen. „Ich dachte bei Deloris in SISTER ACT schon, das sei nicht zu toppen“. Die Erstbesetzung als Rachel Marron, das ist allerdings nun wirklich als weibliche Musicaldarstellerin allein schon aufgrund der Anzahl der Songs kaum zu überbieten.

Vom Flughafen auf die Showbühne

Kaum zu glauben, dass Aisata Blackman bis vor zwei Jahren nur nebenberuflich gesungen hat. Hauptberuflich arbeitete sie dreizehn Jahre lang bei einer Fluglinie. „Ich habe das wirklich gerne gemacht. Der Job hat mir viel Spaß gemacht, ich mochte es, Leuten zu helfen und mich zu kümmern.“ Nebenbei hat sie in verschiedenen Bands gesungen. „Viele Leute haben mich ermutigt, die Musik zum Beruf zu machen, aber es hat lange gedauert, bis ich die Sicherheit für mich hatte, dass ich das wirklich kann.“ 2010 hat sie sich freistellen lassen und es einfach ausprobiert. „Ich war froh, als ich wieder in meinen „normalen“ Job zurückkonnte. Dabei ist an einem Flughafen gar nichts normal. Aber es gibt doch etwas mehr Routine als am Theater.“

Aisata Blackman

© Rey Rodriguez Productions / Sebastian Schmidt

„Ich hatte Blut geleckt“

Allerdings habe sie nach ihrer Rückkehr dann doch bemerkt, dass sie sich in der Zwischenzeit verändert hatte. „Der Funke war entzündet und das Feuer brannte mit jedem neuen Engagement mehr“.  Als selbst ihr Vater ihr riet, sich ganz für die Musik zu entscheiden „hatte ich praktisch einen Freifahrtschein“. Es sei eine Sache, sagt sie, wenn Freunde und Kollegen dir sagen, mach das. Aber wenn der eigene Vater dich dazu ermutigt, dann ist das, als hättest du die Absolution bekommen, eine riesige Dummheit zu machen.“ Als sie schließlich ein Angebot von AIDA Cruises bekam, ging plötzlich alles sehr schnell. „Ich musste mich innerhalb kurzer Zeit entscheiden, denn es war klar, dass ich dieses Engagement nur annehmen kann, wenn ich meinen Job bei der Airline kündige“. Also beschloss sie „zu springen. Denn wer wissen will, ob er fliegen kann, muss sich auch trauen zu springen“.

ROCKY, SISTER ACT, BODYGUARD -Filme sind ihr Ding

Der Mut hat sich gelohnt, denn sie hat die Entscheidung bisher nicht bereut. „Ich konnte seither immer davon leben und es ging immer bergauf“, freut sich Aisata Blackman. Vom Apollo-Girl und Shirley in ROCKY – DAS MUSICAL über Deloris Van Cartier in SISTER ACT und nun Rachel Marron in BODYGUARD – DAS MUSICAL. Musicalversionen erfolgreicher Filme bringen ihr wohl Glück. Viele ihrer ehemaligen Kollegen haben ihren Weg weiterverfolgt und kommen, um sie zu sehen. „Ich bin so etwas wie der lebende Beweis für sie, dass man seine Träume wirklich leben kann“.

Nur noch wenige Tage bis zur Premiere

Die Proben in Stuttgart laufen auf Hochtouren, die Premiere ist diesen Donnerstag. „Inzwischen sind wir von der Probebühne auf die Hauptbühne umgezogen“, erzählt die Hauptdarstellerin. Hier wird nun alles zusammen geprobt. Mit Orchester, mit Kostümen, mit Perücken und auch mit den dazugehörigen Quick Changes, den oft nur wenige Sekunden dauernden Kostümwechseln hinter der Bühne. „Am Anfang muss man sich wirklich sehr konzentrieren, aber eigentlich ist es wie beim Autofahren. Da muss man ja auch viele Dinge gleichzeitig tun. Wenn man es mal verinnerlicht hat, macht man das aber automatisch und muss nicht mehr über alles nachdenken. Es wird zur Routine.“. Im Moment gibt es viele Wartezeiten für alle, da jedes Detail abgestimmt werden muss. Licht, Sound, die Kulissen, jegliche Regieanweisungen, alles muss perfekt angepasst werden und bis zur Generalprobe hundertprozentig sitzen.

Bereit für den großen Tag

Für Aisata Blackman bedeutet eine gute Vorbereitung, die Abläufe und die Songs immer und immer wieder zu üben bis sie sich absolut sicher fühlt. „Aber jetzt wird es Zeit. Klar hat man immer das Gefühl, man könnte noch Zeit brauchen, aber ich bin bereit, ich freue mich auf die Premiere und darauf, dass es endlich losgeht!“.

„Rachel ist ein wunderbarer Charakter“

Rachel hätte zwar Parallelen zu ihr was den Tagesablauf angeht, da sie auch Künstlerin sei und proben und auftreten müsse so wie sie. „Aber sie ist eine Mutter, das bin ich nicht, da muss ich mich reindenken“. Die Kinderdarsteller des Fletcher seien aber allesamt so nett, dass die Muttergefühle quasi ganz von alleine kommen, schmunzelt sie. „Rachel Marron ist ein wunderbarer Charakter“, schwärmt sie. „Sie ist alleinerziehend, man erfährt nichts über Fletchers Vater. Aber sie ist auch eine Geschäftsfrau und sie kümmert sich um alle. Um Fletcher, ihre Schwester, ihre Mitarbeiter. Und weil sie eine so große Verantwortung hat, muss sie auch hart sein. Sie ist schon etwas „bitchy“.“. Aber dann kommt Frank Farmer und sie öffnet sich langsam, fängt an, ihre verletzliche Seite zu zeigen. „Das kann ich gut nachvollziehen und es ist einfach eine wunderbare emotionale Reise, die man mit Rachel macht“.

„Man muss sich ganz auf die Situation einlassen“

Den Vergleich mit Whitney Houston scheut Aisata Blackman nicht. Sie spiele ja nicht Whitney, sondern Rachel Marron. Und da müsse jeder seine ganz eigene Interpretation finden. „Für mich ist Rachel Marron eher ein Superstar wie z.B. Beyoncé.“. Auch gesanglich orientiere sie sich weniger an Whitney Houston. „Stimmlich bin ich einfach nur ich. Man muss die Musik ehren, das ist klar. Aber die Lieder sind hier nicht einfach Whitney-Houston-Songs, sie haben eine ganz andere Dimension, da sie ja an genau passenden Stellen der Geschichte eingebaut sind und die Handlung voranbringen.“ Man müsse sich also ganz auf die jeweilige Situation einlassen und das richtige Gefühl für den Song finden. „Das ist eine wunderbare Herausforderung“. Eine weitere Herausforderung sei es, gleichzeitig zu singen und zu tanzen, denn es solle ja trotzdem gut klingen und man darf nicht zu sehr außer Atem sein. Aber auch hier hilft ihr Credo „Repeat, repeat, repeat“.

Voice of Germany war eine gute Erfahrung

Dem ein oder anderen ist Aisata Blackman aus dem Fernsehen bekannt. 2012 nahm sie an der zweiten Staffel von „The Voice of Germany“ teil und schaffte es ins Team Nena. Was ist für sie der gravierendste Unterschied zwischen einer solchen Show und einer Musicalrolle? „Naja, beim Musical weißt du schon, dass du den Vertrag in der Tasche hast, wenn du auf die Bühne gehst“, sagt sie lachend. „Bei der Castingshow weißt du nie, wann es zu Ende ist“. Außerdem werde alles was man macht gefilmt. Das könne man im Nachhinein nicht korrigieren. „Du hast nur diese eine Chance. Jeder Fehler wird aufgenommen.“ Ihr habe es aber sehr geholfen, denn vorher habe sie sich selten selbst gehört oder gesehen und nun hatte sie jede Menge Aufnahmen auf denen sie sich selbst sehen konnte. „Außerdem war es – da es ja gut lief – auch eine gute und kostenlose Publicity für mich und eine wirklich gute Erfahrung“.

„Die Landschaft in Deutschland ist so vielfältig“

Gefragt was für sie als Niederländerin hier in Deutschland denn die augenscheinlichsten Unterschiede zu ihrer Heimat seien, kommt sie ins Grübeln. „Hmm, ich treffe ja nicht viele „normale“ Menschen hier, da ich ja meistens im Theater bin“. Was ihr aber aufgefallen sei, ist, dass die Menschen „sich hier viel mehr an Regeln halten“. In den Niederlanden sei das nicht immer so. „Hier bleiben die Menschen an einer roten Ampel wirklich stehen, auch wenn gerade kein Auto kommt.“ Dafür seien die Niederländer grundsätzlich etwas aufgeschlossener, bei den Deutschen sei es oft so, dass man sich erst besser kennen muss. Der größte Unterschied für sie sei aber, dass Deutschland so groß sei und „“eine so vielfältige Natur hat. Wenn ich durch Deutschland fahre, kann ich mich gar nicht sattsehen, die Landschaft wird nie langweilig.“ Tatsächlich gäbe es viele niederländische Darsteller in der deutschen Musicallandschaft und es sei toll, jemanden zu treffen, der die eigene Sprache spricht. „Aber das ist nicht das Ausschlaggebende, wichtiger ist, wer einem sympathisch ist.“ Bei BODYGUARD – DAS MUSICAL ist sie allerdings erstaunlicherweise ohnehin die einzige Niederländerin.

Lakritz, Vla und karibische Gewürze

Aus der Heimat fehle ihr – neben der Familie – am meisten die große Auswahl an Lakritz. „Und Vla, das ist ein Pudding, den man zum Beispiel auch beim Kuchenbacken verwendet“. Generell sei es die Vielfalt an

Aisata Blackman in weiß

© Rey Rodriguez Productions / Sebastian Schmidt

verschiedenen Kulturen, die gerade die Essensauswahl in den Niederlanden so interessant machen. „Mein Vater kommt aus Surinam, meine Mutter von den Niederländischen Antillen“. Zuhause kann ich Essen aus diesen Ländern fertig kaufen, wenn ich hier Lust darauf habe, muss ich es selbst kochen.“ Dazu bringe sie sich die entsprechenden Gewürze von zuhause mit. „Allerdings hätte ich meiner Mama wohl öfter beim Kochen zuschauen sollen“.

Noch eine Gemeinsamkeit mit Rachel

Ein weiterer Unterschied sei natürlich die Sprache. „Wir sind viel fauler bei der Aussprache und lassen viele Endungen einfach weg“. Deswegen sei es besonders hart für sie, auf alle Endungen sauber zu achten und all die Details wie „diese, dieser, dieses“ richtig zu lernen und auszusprechen.

Da kommt es ihr entgegen, dass sie ein harter Arbeiter ist und unermüdlich wiederholt, bis alles sitzt. Aber was macht Aisata Blackman noch aus? Auch ihr haben wir die Frage gestellt, wie Kollegen sie vermutlich in drei Worten charakterisieren würden. „Ehrlich, fröhlich und sie würden wohl sagen, ich sei eine starke Frau“. Wie Rachel Marron.

Wir bedanken uns bei der sympathischen Aisata Blackman für dieses nette Interview und sind nun noch gespannter auf die Premiere!

Kategorie: Bodyguard,Darsteller Geschichten,Interviews

Tags:

Autor: M. Kanz (26.09.2017)

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