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I AM FROM AUSTRIA – Welturaufführung in Wien

Am Samstag fand in Wien – mal wieder – eine Welturaufführung statt. Nach sensationellen Erfolgen wie Elisabeth, Tanz der Vampire oder Mozart – um nur einige zu nennen – stellten die Vereinigten Bühnen Wien erneut eine Eigenproduktion vor. Und entschieden sich einmal mehr für ein Thema mit viel Heimatbezug: I AM FROM AUSTRIA, ein Musical mit Musik und Texten von Rainhard Fendrich, feierte im Raimund-Theater seine große Premiere.

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I AM FROM AUSTRIA
I AM FROM AUSTRIA © VBW / Oliver Gast 2017

Ordentlich Schmäh, Lokalkolorit und eine große Portion Kitsch

„Das waren doch gar keine Musical-Songs, funktioniert das trotzdem als Musical?“, fragt der Fernseh-Reporter beim Rauslaufen nach der Vorstellung. Der Applaus des Premierenpublikums sollte ihm Antwort genug gewesen sein. Ja, ganz offensichtlich funktioniert es. Und zwar nicht nur hier. Auch die Songs von Abba, Queen oder Udo Lindenberg sind keine klassischen Musical-Songs und wurden dennoch zu sehr erfolgreichen Musicals verarbeitet. Und I AM FROM AUSTRIA erfüllt alle Charakteristika eines Musicals: Es hat zwei Akte, verbindet Gesang, Tanz, Schauspiel und Musik in einem durchgängigen Handlungsrahmen. Und es sind Elemente von Drama, Komödie, Revue und Operette zu finden. Also, alles da was das Lehrbuch von einem Musical erwartet.

Standing Ovations und nicht enden wollender Beifall

Da steht nichts davon, in welchen Teilen die einzelnen Elemente zueinanderstehen müssen. Auch nicht wieviel Tiefgang die Handlung haben muss oder wie historisch die Figuren sein müssen. Entscheidend ist nur eins: Es muss unterhalten und das Publikum sollte mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Und das scheint am Samstag mehr als gelungen. Nicht enden wollender Beifall und Standing Ovations für Cast und Leading Team. Auf dem Weg dorthin viel Gelächter, einige Seufzer und Szenenapplaus.

Lukas Perman und Iréna Flury

© VBW/Deen van Meer

Die Handlung ist schnell erzählt

I AM FROM AUSTRIA ist wie ein riesiges rosa Sahnebaiser über das jemand noch farbige Knallbrause gestreut hat. Es ist bunt, süß und etwas verrückt. Die Handlung ist schnell erzählt, der Aufbau folgt dem Klassiker. Ein Paar lernt sich kennen und verliebt sich trotz widriger Umstände. Grad als es am schönsten ist, gibt es Missverständnisse. Am Ende klärt sich alles auf und einem Happy End steht nichts mehr im Wege. In diesem Fall ist es der Weltstar Emma Carter, der eine Stippvisite in der Heimat einlegt, um den Wiener Opernball zu besuchen. Dazu quartiert sie sich im Hotel Edler ein. Einem familiengeführten viereinhalb Sterne-Hotel mit liebenswert schrulligem Personal. Sie lernt den Sohn des Hauses kennen, der erkennt und ihr wieder zeigt, dass auch hinter einem Hollywood-Star nur ein ganz normales Mädchen steckt.

Zuckrig süß, aber gut verdaulich

Wie zu erwarten kann das nicht gut gehen, denn der mitgereiste Manager hat größtes Interesse daran, dass sein Star weiterhin ganz und gar nach seinen Vorstellungen funktioniert. Er intrigiert und lässt Emma glauben, Josi habe sie an die Presse verraten.  Dann drängt er sie dazu beim Opernball ihre Verlobung mit dem ebenfalls im Hotel residierenden Weltfußballer Pablo Garcia bekanntzugeben. Natürlich klärt sich alles rechtzeitig auf und was zusammenfinden muss, findet zusammen. Dies gilt nicht nur für Josi und Emma. Auch das Hoteliers-Ehepaar Romy und Wolfgang Edler ist am Ende wieder glücklich.

Was wie ein Rosamunde Pilcher-Roman klingt, könnte auch genauso inszeniert sein. Ist es aber nicht. Denn man hat den oft ganz eigenen Humor und die Ironie, die man in vielen von Fendrichs Texten findet, das Augenzwinkern und die bissigen Fingerzeige auf Wiens „feine Gesellschaft“ in der Story und den Dialogen wunderbar aufgegriffen und eine herrlich überdrehte, selbstironische Revue daraus gebastelt. Abgemildert wird das ganze durch ein nicht unerhebliches Maß an Kitsch. Die Extra-Portion Zuckerguss wird durch das immer einhergehende Augenzwinkern jedoch gut verdaulich. Wenn es plump ist, ist es gewollt plump. Wenn es schrill wird, ist es gewollt schrill.

Es muss nicht immer Kaviar sein

Die verantwortlichen kreativen Köpfe Christian Struppeck und Titus Hoffmann haben ebenso wie Regisseur Andreas Gergen, bereits bewiesen, dass sie durchaus auch Anspruchsvolleres hervorbringen können. Ihnen zu unterstellen, es hätte zu Anspruchsvollerem nicht gereicht, ist daher befremdlich. Die Messlatte sollte in diesem Fall sein: Was war das Ziel und wie gut wurde dieses erreicht. Wenn es das Ziel war, Fendrichs teils sozialkritischen Texte und die oft feinsinnigen Zwischentöne in ein gesellschaftskritisches, intellektuelles Musical einzubetten, dann wäre Kritik sicher angebracht. Wenn es aber das Ziel war, beliebte und bekannte Titel, die jeder kennt und mitsummen oder -singen kann, in einem unterhaltsamen, leicht verdaulichen und gute Laune machenden Spektakel zusammenzufassen, dann wurde das Ziel ohne Zweifel erfüllt.

Ensemble I am from Austria

© VBW/Deen van Meer

In sich stimmige Inszenierung

Das Bühnenbild von Stephan Prattes trägt hierzu bestens bei. Das Hotel ist eine riesige drehbare Torte in rosé und erinnert an alte Operettenfilme und Revue-Shows. Die Kostüme von Uta Loher und Conny Lüders sind – zumindest für das Ensemble -ebenso bunt, schrill und einfallsreich und bieten viel fürs Auge. Die Hauptfiguren sind den Rollen entsprechend eher klassisch gekleidet bis auf den theatralischen Manager Richard Rattinger, dessen Anzügen deutlich ausgeflippter sind. Die Choreographie von Kim Duddy (die just am Tag der Premiere ihren 60. Geburtstag feierte) ist bewährt und ohne allzu große Überraschungen. Sie erinnert – in positivem Sinn – etwas an die Fernsehballet-Auftritte der großen Samstagsabendshows der 70er und 80er-Jahre. Die musikalische Leitung liegt bei Michael Römer, die Arrangements stammen von Michael Reed, der gemeinsam mit Roy Moore auch für die Orchestrierung verantwortlich ist. Die bekannten Songs sind allesamt noch gut erkennbar und wurden aufs erste Hören lediglich zu Ensemblenummern oder frauenstimmentauglich angepasst. Stimmig das Lichtdesign von Andrew Voller und das Sounddesign von Thomas Strebel. Sönke Feicks Videodesign birgt einige nette Überraschungen.

21 Hits aus der Feder von Rainhard Fendrich

Die eigentlichen Stars des Abends sind die Songs von Rainhard Fendrich, die jeder, völlig egal, ob man sie mag oder nicht, im Ohr hat. Sie sind nicht wegzudenken aus der deutschsprachigen Musik der letzten Jahrzehnte. 21 davon sind im Musical verarbeitet, darunter natürlich das titelgebende „I am from Austria“, das mit großem Pathos inszeniert auf einem Berggipfel mit Gemse und Gipfelkreuz von Emma Carter gesungen wird. Dort oben stellt sie fest, dass sie in ihrem Herzen trotz allen Hollywood-Erfolgs eben doch Österreicherin ist. Dies ist einer der kleinen Momente, an denen man sich vielleicht doch etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht hätte, um diesem Lied die Wirkung zu gönnen, die es verdient hat. Außerhalb Österreichs bringen sicher mehr Menschen diesen Song mit der Alpenrepublik in Verbindung als die tatsächliche Nationalhymne. Zugegeben, es wäre ein schmaler Grat gewesen und sicher nicht einfach, hier auf echtes Gefühl zu setzen. Somit war es vermutlich sicherer freiwillig überzogen komisch zu sein als die Szene unfreiwillig komisch werden zu lassen.

A. Steppan, E. Engstler und L. Perman

© VBW/Deen van Meer

Solide Besetzung mit kleinen Überraschungen

Iréna Flury gibt den großen Star aus Übersee auf Heimatbesuch auf nachvolllziehbare und liebenswerte Art. Sie hat eine sehr klare, eher kühle Stimme, die zur Hollywood-Diva gut passt, aber in ihrer Rückbesinnung zum „normalen Mädchen“ stellenweise etwas Wärme vermissen lässt. Lukas Perman, dem die Rolle des charmanten Hotelierssohns Josi Edler auf den Leib geschrieben ist, hat mit „Löwin und Lamm“ oder dem sensationellen „Weus‘d a Herz hast wie a Bergwerk“ zwei der schönsten Balladen zu singen, die eigentlich hervorragend zu seiner Stimme passen. Hier hätte man sich mehr vom ja eigentlich durchaus vorhandenen „Schmelz“ in seiner Stimme erhofft und weniger Kraft. Ob dies ein bewusster Versuch war, sich vom Original etwas abzuheben oder aus anderen Gründen so gewollt, die eigentlich zu erwartende Gänsehaut blieb dadurch aber leider aus. Absolut überzeugend dagegen das mit großem Ensemble inszenierte „Nix is fix“.

Bekannte lokale Größen bis in die Nebenrollen

Überraschend anrührend waren Andreas Steppans „Nur die Liebe zählt“ oder auch seine Interpretation von „Strada del Sole“. Er spielte den Wolfgang Edler als milden, fast altersweisen und gelassenen Mann, der bereits erkannt hat, was im Leben wichtig ist. Elisabeth Engstler als seine Frau Romy Edler vermutet ihn dennoch in der „Midlife Crisis“, um dann aber am Ende zu erkennen, dass es höchste Zeit ist, ihm einmal danke zu sagen. Das tut sie in „Liebeslied“ mit tiefer, voller Stimme, von der man gerne mehr hören würde. Alternierend wird diese Rolle zukünftig von Carin Filipcic übernommen. Sicher einer der überraschendsten Auftritte ist der von Matthias Trattner, der in der „Piccolo-Rolle“ des Hotel-Boys Felix Moser nach dem Running Gag, dass er zwar alt genug zum Autofahren sei, die Autos aber zu jung für ihn, endlich das Auto seines Chefs fahren darf und dies erwartungsgemäß nicht gut geht. Er nutzt seinen einzigen Song, um absolut zu überzeugen und gibt bei „Zweierbeziehung“ stimmlich und komödiantisch alles.

Humor kommt an

Völlig überzogen und herrlich komisch auch Martin Bermoser als Emmas Manager Richard Rattinger, der alle gängigen Klischees bedingt. Dass ihm der „Tango Korrupti“ zufällt, ist quasi unvermeidlich. Publikumsliebling Dolores Schmidinger sorgte als Faktotum Elfie Schratt für die meisten Lacher mit ihren immer hanebücheneren Behauptungen wen sie im Laufe ihres Lebens alles gekannt und getroffen hat. Nicht fehlen dürfen natürlich auch die großen Hits wie „Macho Macho“, „Es lebe der Sport“, „Schickeria“ oder „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehn“, die als große Ensemblenummern eingebettet sind. Zuverlässig wie immer das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien, das hier im Vergleich zum vorher im Raimund-Theater spielenden SCHIKANEDER naturgemäß nicht so zur Geltung kommt.

Weitere Besetzung

Weitere Besetzungen am Premierenabend waren:

Martin Berger als Rainer Berger

Fabio Diso als Pablo Garcia

Ensemble:

Anna Carina Buchegger, Arthur Büscher, Barbara Castka, Paul Csitkovics, Marianne Curn, Barbara Czar, Florian Fetterle, Franz Frickel, Katharina Gorgi, Thomas Höfner, Judith Jandl, Peter Knauder, Martin Pasching, Marina Petkov, David Rodriguez-Yanez, Ariane Swoboda

Swings:

Florian Klein, Stefan Mosonyi, Jennifer Pöll, Georg Prohazka, Rita Sereinig, Birgit Wanka

Premiere ohne Fendrich

Unverständlich und in vielen österreichischen Medien am nächsten Tag diskutiert bleibt die Frage, warum Rainhard Fendrich nicht zu der Premiere erschien. Er sei „ein Macher, kein Verbeuger“ und

Dolores Schmidinger und Fabio Diso

© VBW/Deen van Meer

habe „ein interessantes Projekt, das seine Anwesenheit erfordere“ war seine Begründung in einem kurz vor der Premiere veröffentlichten Interview. Schade, denn ein Denkmal (auch in Form eines Musicals) gesetzt zu bekommen ist eine Ehre und eine solche Anerkennung bringt auch eine gewisse Verpflichtung mit sich, denn es lebt sich ja ganz gut vom Zuspruch der Fans. Das Premierenpublikum hat sich die Laune dadurch nicht verderben lassen und hat einfach statt ihn Cast und Leading Team des Abends gefeiert – vielleicht wollte er von deren Leistung auch einfach nicht ablenken.

Wer sich darauf einlässt, kann einen netten Abend haben

Abschließend bleibt zu sagen, dass I AM FROM AUSTRIA sicher keine intellektuell anspruchsvolle Unterhaltung bietet und es fraglich ist, ob das Konzept aufgrund vieler bedienter Klischees und Lokalkolorit auch außerhalb Österreich funktionieren würde. Wenn man aber ein Musical macht mit Austro-Pop-Songs, dann hat man allerdings ohnehin wohl weder den Broadway noch eine Shanghai-Tour im Sinn. Im deutschsprachigen Raum taugt es allemal zur reuelosen Popcorn-Unterhaltung mit einigen netten Gags wie singenden Torten, einem Hubschrauberflug über Wien samt Landung auf der Bühne oder tanzenden Pappkameraden beim Opernball.

Neugierig geworden auf dieses etwas andere, revuehafte, altmodisch-charmante und unterhaltsame Gute-Laune-Musical im Stil einer Boulevard-Komödie? Schaut es euch beim nächsten Wienbesuch an!

Tickets für I AM FROM AUSTRIA gibt es hier
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Kategorie: Allgemein

Tags:

Autor: M. Kanz (18.09.2017)

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