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Das volle Leben – Anja Wendzel im Interview

Anja Wendzel steht nicht nur im Ensemble von TANZ DER VAMPIRE auf der Bühne, sie hat auch ihre eigene Firma. Eine Kombination, die man so nicht allzu oft findet und somit definitiv ein Grund, mal etwas näher hinzuschauen. Kurz vor ihrem Umzug nach Hamburg haben wir die Österreicherin zu einem Interview getroffen.

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Anja Wendzel beißt zu
Anja Wendzel beißt zu ©Julian Freyberg

Genuss hat viele Formen

Wir treffen Anja Wendzel im Wiener Caféhaus – auch wenn sie nicht aus Wien stammt ist es doch ein bisschen Heimatgefühl in der Fremde. Aber nicht nur das Café erinnert sie an zuhause. „Hier im Umfeld von Stuttgart sieht es ein bisschen aus wie bei uns in der Steiermark.“ Sie liebe die Fachwerkhäuser hier in der Gegend, das habe seinen ganz besonderen Charme. „Obwohl Stuttgart natürlich eine Stadt ist, ist alles etwas ländlicher hier und die Schwaben sind nett und gemütlich“, findet die ausgebildete Musicaldarstellerin. „Außerdem liebe ich es, dass es hier viele kleine Gourmetläden gibt. Ich habe jede Menge Schnäpse, Kräuter und vieles mehr im Gepäck, wenn ich jetzt abreise.“ Und da sind wir auch schon ganz nah am Thema.

In Österreich bereits gut etabliert

„Genusskonzerte“ heißt die Firma, die Anja Wendzel neben ihrem Engagement bei der Stage Entertainment betreibt. Was heißt Genuss für sie selbst? „Genuss ist für mich das Gefühl, zuhause zu sein“, beschreibt sie ihr Gefühl ohne Zögern. „Ich liebe Musik und ich liebe Essen. Was liegt da näher, als beides miteinander zu verbinden?“. „Ich hatte nach der Ausbildung die Wahl, als Hochzeitssänger oder ähnliches nebenbei etwas Geld zu verdienen oder eben etwas eigenes aufzuziehen. Ich hatte Glück, dass mein Vater bereit war, seine Erfahrungen mit einzubringen und die Firma mit mir aufzubauen. Also haben wir 2014 damit begonnen und sind in Österreich damit inzwischen ganz gut etabliert.“ So war zum Beispiel das am 6. Oktober dieses Jahr in Wien stattfindende Event innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Dort wird Anja Wendzel gemeinsam mit ihrem Kollegen Mark Seibert auftreten. Die Speisenfolge hat sie persönlich mit ausgewählt und alles probiert, um sich von der Qualität zu überzeugen. „Ich will immer alles schmecken, alles riechen, wir haben so interessante Sinne. Meine Genusskonzerte sollen all diese Sinne ansprechen. Sie sind sozusagen Anja in Konzertform.“

Erinnerungsmomente schaffen

Anja Wendzel ist gerne unabhängig, sie liebt ihre Freiheit und die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. „Ich will die Welt mit meinen Konzerten etwas schöner machen“, ist ihr Ziel. „Heute gibt es sehr viel Kommerz. Wir dagegen greifen auf die „alte Schule“ zurück und setzen auf pure Emotion. Bei unseren Konzerten ist man ganz nah dran, es ist eine sehr intime Atmosphäre. Es gibt einen engen Kontakt zwischen den Sängern und dem Publikum und man nimmt sich Zeit. Auch nach den Auftritten.“ Es sei ihr ganz besonders wichtig, Erinnerungsmomente zu schaffen, betont die Steirerin. „Unsere Genusskonzerte sollen die Möglichkeit geben, sich schön anzuziehen und einen besonderen Abend mit der Familie oder mit Freunden zu verbringen“. Sie selbst erinnere sich immer wieder gerne an ihre Kindheit in der es viele solcher Theaterabende gab. „Das war einfach etwas ganz Tolles für uns, wenn wir mit den Eltern einen solchen Abend erleben durften.“

Anja Wendzel in Tanz der Vampire

©Julian Freyberg

“Ich glaube an Fügung”

Diese Ausflüge haben sie letztlich auch dazu inspiriert, selbst auf der Bühne stehen zu wollen. „Eigentlich wollte ich Lehrerin für Englisch und Sport werden“ – zwei Neigungen, die sie auch heute im Musicalbereich gut ausleben kann. „Ich habe dann beschlossen, eine einzige Aufnahmeprüfung für die Musicalausbildung zu machen. Ich glaube an Fügung. Und es hat sofort geklappt.“ Das Schicksal hat also bestimmt, dass Anja heute in erster Linie Darstellerin ist. Im Moment sei das auch ganz toll, aber sie wolle auf jeden Fall eine Familie haben und da sei es nicht förderlich, immer unterwegs sein zu müssen. Deswegen suche sie langfristig eben nach Möglichkeiten, hauptsächlich an oder von einem Ort arbeiten zu können. „Kunst muss Teil des Lebens bleiben“, betont sie. „Ohne Kunst bin ich nicht ich“. Ein Musical-Restaurant könne sie sich vorstellen oder ein kleines Theater. Die Ideen gehen ihr nicht aus.

Natürlich sei es anstrengend so wie im Moment quasi auf zwei Hochzeiten zu tanzen. Man brauche eine sehr gute Zeiteinteilung und muss sehr konsequent sein. Organisation sei dabei alles. „Meine eigene Begeisterung für das, was ich tue, ist mein Antrieb. Klar bin ich auch oft müde, aber man bekommt bei beiden Jobs so viel zurück, das gibt dann wieder Energie.“

“Das Theaterengagement ist Luxus für mich”

Gefragt nach dem prägnantesten Unterschied zwischen Theaterengagement und Selbständigkeit erklärt Anja: „Ich liebe das Theater. Das ist Luxus für mich. Es wird alles für einen gemacht. Ich muss nur hingehen. Maske, Kostüm, die ganze Organisation, ich muss mich um nichts scheren. Dazu kommt die soziale Nähe zu den Kollegen, die ich sehr genieße. Während einer Tour ist das ja wie meine Familie.“ Als Chef ihrer eigenen Firma dagegen, muss sie sich um jedes Detail selbst kümmern. Das ist auch ihr persönlicher Anspruch. „Ich bin Perfektionistin“, gibt sie zu. Selbst wenn sie nicht mit auf der Bühne steht, sondern für andere Kollegen Konzerte organisiert, ist sie sozusagen per Telefon in alle Aktivitäten vor Ort eingebunden. „Das sind dann Kollegen, die vorher schon einmal mit mir gemeinsam bei einem Genusskonzert gesungen haben und genau wissen, wie ich mir das vorstelle. Dennoch, die Verantwortung für einen perfekten Abend liege nun mal bei ihr. „Das ist das Anja-Wendzel-Gütesiegel, das nur ich selbst vergeben kann. Nur wenn ich nah dran bin, weiß ich, dass meine Ansprüche auch erfüllt sind.“

Gala der Musicals am 25. September 2017 in Stuttgart

In Österreich ist das Format der Genusskonzerte wie bereits erwähnt schon recht erfolgreich, in Deutschland dagegen versuche sie im Moment gerade erst Fuß zu fassen. „Ich habe meinen deutschen Fans ein Konzert für dieses Jahr versprochen und das halte ich nun auch ein.“ Am 25. September 2017 wird es die „Gala der Musicals“ im Stuttgarter Renitenz-Theater geben. Die Zuschauer erwartet „eine geballte Ladung Emotion“. Es gäbe einige Eigenkreationen, „aber natürlich wird auch viel aus den bisherigen Stuttgarter Musicals wie REBECCA, ELISABETH, MAMMA MIA, WICKED und natürlich TANZ DER VAMPIRE zu hören sein.“ Dieses Mal stehen ihr auf der Bühne die Kollegen Victor Petersen, Carina Nopp und Christoph Apfelbeck zur Seite. Aber auch bei der Vorbereitung hätte sie viel auf die Hilfe von Stuttgarter Kollegen zählen können. Karten dafür gibt es hier. “Wir würden uns freuen, viele der Tanz der Vampire-Community, aber auch andere Kultur-Interessierte dort zu sehen”.

Plakat "Die Gala der Musicals"

© Genusskonzerte

Für 2018 stehe dann ein Musical und Dinner-Format in Deutschland auf ihrer persönlichen Planung. Natürlich sei es immer ein gewisses Risiko, so etwas auf die Beine zu stellen, denn als Selbständiger kommt man eben auch für die Kosten auf. Aber „Angst steht bei vielen Menschen im Vordergrund. Angst ist aber auch der Antrieb von Mut. Man sollte viel mutiger sein und die Dinge einfach ausprobieren.“ Denn, so die Jung-Unternehmerin, „es hat auch niemand an elektrisches Licht geglaubt, als man noch Kerzen hatte.“

Auch privat ein Genussmensch

Anja Wendzel ist ein Energiebündel, sie spricht unglaublich schnell, hat so viel zu  erzählen und sie brennt für das, was sie tut. Das hört man aus jedem Satz, der aus ihr heraussprudelt. Sie strahlt eine unglaubliche Energie aus und man traut ihr ohne Zweifel zu, dass ihr Weg gerade erst begonnen hat und sie noch vieles erreichen wird.

Auch privat ist sie ein absoluter Genussmensch. „Genuss kommt in vielen verschiedenen Formen“, ist sie überzeugt. So sei es zum Beispiel auch ein absoluter Genuss für sie, wenn man sich an bestimmte Momente erinnern kann, wenn sie sich einbrennen und man immer wieder davon zehren kann. An Hamburg, ihre nächste Station mit den Vampiren, habe sie solche Erinnerungen. „Ich liebe den Hamburger Hafen“, schwärmt sie. “Ist es nicht toll, dass ich dort mit dem Schiff zur Arbeit fahren kann? Und ich habe viele Freunde dort und ehemalige Lehrer, auf die ich mich freue.” Während ihrer Ausbildung hat sie zwei Jahre dort verbracht. „Damals war es noch ein Traum, was ich heute lebe“.

“Viel zu viele Menschen bekommen heutzutage viel zu wenig Liebe”

Weiterzuziehen in die nächste Stadt mache ihr nichts aus, das sei (noch) Teil des Berufs. „Ich hebe mir alles auf, was ich von meinen Fans bekomme. So kriege ich an jedem Standort ein Stück zuhause dazu“. Überhaupt spielen Werte wie Zuhause und Familie bei ihr eine sehr große Rolle. „Meine Familie stand und steht immer voll hinter mir. Das ist nicht bei allen so und daher weiß ich es umso mehr zu schätzen. Ich bekomme so viel Liebe, Schutz und Geborgenheit“, ist sie sich bewusst. „Heute wissen viele nicht mehr, was Zusammenhalt ist. Macht ist viel zu wichtig geworden“. Deshalb sei es ihr auch sehr wichtig, etwas von dem, was sie hat, weiterzugeben an andere. „Kleine Gesten der Aufmerksamkeit, kleine Geschenke zu Premieren, all solche Dinge, das ist mir einfach wichtig. Freunde und Kollegen sind wie meine Kinder. Ich versuche ihnen einen Teil dessen weiterzugeben, was ich von meiner Familie an Aufmerksamkeit und Liebe bekomme.“ Denn, so ist sie überzeugt, „heutzutage bekommen viel zu viele Menschen viel zu wenig Liebe.“ Ein guter Freund und Kollege habe ihr einmal gesagt, er kenne niemanden, der sich selbst so sehr hinten anstellt wie sie. Sie empfindet das nicht als negativ, sondern zieht eher Energie daraus.

Anja Wendzel in drei Worten

Zum Abschluss gefragt, was sie denkt wie ihre Kollegen und Freunde sie in drei Worten beschreiben würden, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Energievoll, lebensfroh und ein bisschen durchgeknallt“. Das passt zu Anja Wendzel und dem was wir in knapp 90 Minuten von ihr kennengelernt haben. Eine Frau voller Energie, voller Träume und mit ganz viel Leidenschaft für die Dinge, die sie in Angriff nimmt. Dass das mehrere Dinge gleichzeitig sind, macht da gar nichts aus. Schließlich „braucht ein guter Braten ja auch mehrere Gewürze, nur mit Salz wäre er fad“.

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen viel Erfolg für die Premiere in Hamburg!

Kategorie: Darsteller Geschichten,Interviews,Tanz der Vampire

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Autor: M. Kanz (12.09.2017)

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