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Mutig auch im wahren Leben – Maximilian Mann zeigt Kante

Erst kürzlich hatten wir Maximilian Mann im Interview. Nun haben wir ihn nochmal getroffen, um mit ihm speziell über ein Thema zu sprechen, das ihm – und auch uns und vielen unserer Leser - sehr am Herzen liegt.

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Maximilian Mann
Maximilian Mann © Milan van Waardenburg

Diskussionen zum Thema „Wieviel Kritik ist erlaubt“ nehmen zu

Wer in den verschiedenen Musical- und Fanforen unterwegs ist, stößt in den letzten Wochen immer wieder auf teils sehr lebhafte Diskussionen. Hierbei geht es im weitesten Sinne um den Umgang untereinander. Aber auch um Kritik an Darstellern, mit Stücken und Kritik im Allgemeinen und im Besonderen. Ende Juli hat Maximilian Mann, der aktuelle Hauptmann Phoebus de Martin in Disney's DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME, einen Post zu diesem Thema in einem großen Musicalforum veröffentlicht. Grund genug für uns, nachzufragen, wie es dazu kam und was er damit erreichen wollte.

„Ich vertraue auf mein eigenes Gefühl“

Zum Einstieg  haben wir gefragt, wie wichtig Rezensionen oder Forumsdiskussionen für ihn persönlich als Gradmesser für seine Leistung sind. „Grundsätzlich versuche ich, so wenig wie möglich zu lesen. Egal, ob über mich oder über andere Kollegen. Aber man kann sich nicht ganz entziehen. Es gibt immer mal wieder jemand, der einem einen Artikel oder eine Bemerkung zeigt, die er über einen gefunden hat. Außerdem haben wir auch eine Pressewand im Theater, da hängt auch das ein oder andere.“, erklärt Maximilian Mann. Er suche also nicht gezielt nach Meldungen über sich, aber, gibt er zu „eigentlich ist man ja doch irgendwie neugierig, was so geschrieben wird.“ Dennoch sei er niemand, der sich allzu sehr von solchen Rückmeldungen verunsichern lasse. Vielmehr verlasse er sich sehr stark auf sein eigenes Gefühl, um zu spüren, ob er da angekommen sei, wo er mit einer Rolle, einem Song, hinwolle. „Außerdem habe ich ein paar Menschen, deren Meinung mir sehr wichtig ist. Dazu zählen zum Beispiel unser künstlerischer Leiter oder auch alte Lehrer.“ Auch die Meinung von Freunden oder Verwandten sei natürlich wichtig. „Man ist schon etwas aufgeregter als sonst, wenn die Familie im Publikum sitzt.“ Allerdings würde er von dort eher keine detaillierte, fachlich fundierte Rückmeldung bekommen. „Eine lustige Vorstellung eigentlich, wenn mein Vater mir plötzlich sagen würde, ich solle an einer bestimmten Stelle in einem Lied das Gaumensegel etwas mehr anheben“, schmunzelt er.

Auslöser war die Niedergeschlagenheit eines Kollegen

Aber was hat ihn denn nun dazu veranlasst, sich hinzusetzen und seinen Appell in einem Musical-Forum zu platzieren? „Ich habe mir einige You Tube-Videos angeschaut. Vlogs, Blogs, da gibt es ja so einiges“. Darunter seien doch manche gewesen, „die schon grenzwertig waren.“ Auslöser für ihn sei aber letztlich ein Gespräch mit einem Kollegen gewesen, der nach so einem „Verriss“ wirklich niedergeschlagen war. Natürlich sei es nicht ganz einfach, sich dazu durchzuringen so etwas zu schreiben. Die Gefahr bestehe durchaus, dass viele denken es sei eigene Betroffenheit, die einem zu dem Schritt veranlasst hat. Dessen sei er sich absolut bewusst und er sei überzeugt, dass dies hinter vorgehaltener Hand auch öfter gefallen sei. Ihm gegenüber habe das aber niemand geäußert. Die Reaktionen seien durchweg positiv gewesen, egal ob von Kollegen oder den Foren-Mitgliedern.

„Bei sachlich falscher Kritik wird mir einfach übel“

„Ich habe wirklich versucht, mein Anliegen sehr freundlich rüberzubringen und niemandem auf die Füße zu treten“, erzählt der Musicaldarsteller. Es gab sehr viele Kommentare – allerdings liegt es in der Natur der Sache, dass nicht diejenigen reagieren, die sich angesprochen fühlen sollten, sondern durch die Bank die, die einem zustimmen.

„Es geht mir ja überhaupt nicht darum, dass man nicht kritisieren darf und jedem alles gefallen muss, was wir tun.“ Aber es gibt unterschiedliche Arten von Kritik. Ihn selbst beschäftige es am meisten, wenn eine Kritik genau seine eigenen erkannten Schwachpunkte treffe. „Zudem spielt es schon eine Rolle, ob sie von jemandem kommt, den ich sehr respektiere oder ob es jemand ist, dessen Meinung mir vielleicht nicht so wichtig ist.“ Aber was ihn wirklich ärgere, seien vermeintlich ernsthafte Rezensionen, die „einfach faktisch falsch oder schlecht recherchiert sind.“ Er begrüße grundsätzlich jede Diskussion, denn „Kultur will diskutiert werden.“ Aber dies müsse mit Sachverstand passieren. Es darf dabei niemand denunziert oder persönlich angegriffen werden.“

Maximilian Mann Rolle Phoebus

Photo Johan Persson ©Disney k

Auf die Formulierung kommt es an

Es sei ihm klar, dass man sich als Künstler ständig zur Zielscheibe mache. „Ein gewisser Drang danach, im Mittelpunkt zu stehen, gehört einfach zu unserem Beruf dazu.” Aber dennoch gäbe es große Unterschiede, wie man etwas formulieren kann. „Es muss der richtige Zeitpunkt sein, der richtige Inhalt und auch der richtige Adressat.“ Schließlich würde jeder Darsteller Abend für Abend sein Bestes geben und habe allein dafür einen gewissen Respekt verdient. „Ich finde es sehr wichtig, dass negative Rückmeldungen sachlich begründet sind. Also nicht einfach geschrieben wird, XY hat mir nicht gefallen, sondern vielleicht: XY hat mir nicht gefallen, da die Rolle in meiner Vorstellung mit einer anderen Stimmfarbe verknüpft ist.“ Außerdem sollte klar hervorgehen, dass es sich um eine subjektive Meinung handelt. „Pauschalaussagen wie jemand sei einfach falsch in seinem Job oder habe eine schlechte Ausbildung, finde ich ein Unding“, ärgert sich Maximilian Mann. Man merkt ihm deutlich an, dass das Thema ihm wirklich am Herzen liegt und ihn bewegt. So wie auch einige andere Themen, die er während des Gesprächs streift und die er ebenfalls leidenschaftlich und fundiert rüberbringt.

„Negative Kritik lässt keinen kalt“

„Es ist ihm ein echtes Anliegen, Dinge anzusprechen und dabei auch richtig verstanden zu werden. Man nimmt ihm ohne Zweifel ab, dass er gerne diskutiert und sich an anderen Meinungen reibt – vorausgesetzt dies passiert offen und sauber argumentiert.

Das ist so wie beim Autofahren. Da sitzen wir alle drin und schimpfen über die anderen Fahrer. Alles Idioten. Wenn aber einer neben uns anhalten würde und durchs offene Fenster reinschaut, würden wir uns meist nochmal überlegen, ob wir ihm genauso klar sagen, was wir von seinem Fahrstil halten. Weil er vielleicht größer ist als wir, stärker oder grimmig aussieht.“ Aber in der vermeintlichen Anonymität des Internets, wo viele nicht mal ihren echten Namen angeben, da sei das kein Problem. Da könne jeder alles sagen. Mit dem Unterschied, dass es im Auto beim Fahren keiner hört. Im Internet kann es aber jeder lesen – auch der Betroffene. Natürlich sei das nicht nur bei Musicaldarstellern so, sondern auch Politiker seien dem zum Beispiel ausgesetzt. Aber, da ist der Wahl-Berliner sicher, „ganz kalt lässt das niemanden, wenn er so etwas über sich liest.“

Musical-Fans nutzen Vakuum, das die Presse schafft

Dass es gerade im Musical-Bereich so viele Foren und Internet-Plattformen gebe, liege vermutlich daran, dass das Genre von der „seriösen“ Presse vernachlässigt wird. „Musicals kämpfen in Deutschland immer noch darum als Kultur anerkannt zu werden – so wie es früher auch bei der Operette war“. Dadurch ist eine Art Vakuum entstanden, das inzwischen viele „Hobby-Journalisten“ für sich nutzen.  Das sei völlig in Ordnung, dennoch würde er sich wünschen, dass jemand der den Anschein einer fundierten Rezension erwecken will „zum Beispiel zumindest den Unterschied zwischen Chor und Ensemble kennt“.

Quizfragen beantworten sich von der Couch aus auch leichter als im Studio

Die schärfsten Kritiker – vor allem im Publikum – seien seiner Meinung nach witzigerweise Musical-Schüler. „Da ist eben alles sehr präsent, was man lernt und wie etwas gemacht werden sollte. Sie befassen sich ja sehr intensiv mit der Materie.“ Da gäbe es schon häufiger die Meinung, das hätte man doch selbst viel besser gekonnt als derjenige auf der Bühne. Das relativiere sich aber recht schnell, wenn aus Schülern dann Profis werden. Dann merke man, dass es womöglich bei der achten Show in einer Woche, mit Schminke, die gerade ins Auge läuft und mit schmerzendem Rücken, vielleicht doch nicht mehr ganz so einfach ist wie im Klassenzimmer. „Aber der Gedanke, dass man das mindestens genauso gut könnte wie der Andere, ist ja auch nicht unbedingt verkehrt. Das gehört ein Stück weit auch dazu und ist quasi Teil der eigenen Motivation.“

Entwicklung auch bei Fans untereinander erkennbar

Neben den manchmal harschen Umgang mit Stücken oder Darstellern sei auch der Umgang zwischen den Fans teilweise rauer geworden. Da bilden sich wohl manchmal unterschiedliche Lager. In Wien sei dies zum Beispiel so gewesen, erinnert sich Maximilian Mann. “Da gab es eine Gruppe, die immer nahe an der Stagedoor stand und eine zweite Gruppe, die eher an der Straße wartete. Und auch in den Foren sei es oft so, dass die verschiedenen Fan-Lager sich dazu bemüßigt fühlen „ihren jeweiligen Star zu verteidigen, wenn jemand auch nur entfernt Kritik äußert.“ Dabei gäbe es in der Regel mehr als eine Person, die eine Rolle gut spielen kann. „Und auch wenn jemand – wie zum Beispiel beim Glöckner – in sehr große Fußstapfen tritt, heißt das nicht, dass er sie nicht vielleicht ausfüllen kann. Auch neue Leute brauchen schließlich eine Chance und auch die heutigen Stars der Szene haben irgendwann neu angefangen“.

Viele weiße, wenige schwarze Schafe

Letztendlich mache einfach wie überall der Ton die Musik. Das sei an der Stagedoor genauso. Es mache durchaus einen Unterschied, wie man auf die Darsteller zugeht. Auch wenn am Ende jeder sein Bild bekommt, nehme man sich für den, der nett fragt, einfach lieber Zeit als für den, der es massiv einfordert und sich vordrängt.

Bevor hier nun ein falscher Eindruck entsteht: Wie fast immer und überall, gibt es viele, die alles richtigmachen und ein paar wenige schwarze Schafe. Und wie ebenfalls fast immer und überall, sprechen wir nur über die, die unangenehm auffallen. Deswegen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön, an alle, die das Thema Musical an den verschiedensten Stellen engagiert, fair und mit viel Engagement diskutieren. Und die ihm damit den Stellenwert verschaffen, den es sich in den letzten Jahren in der deutschen Kulturszene erkämpft hat.

Maximilian Mann Porträt

© Paul Zimmer

Licht aus, Spot auf Maximilian Mann

Zum Abschluss haben wir dann auch mal nett gefragt. Nämlich danach, mit welchen drei Eigenschaften ihn seine Kollegen seiner Meinung nach charakterisieren würden. Und so sehr er vorher übergesprudelt ist vor Worten, so ruhig wird er plötzlich. Das sei keine einfache Frage, sagt er und überlegt. Das erste Wort kommt noch recht spontan: Als „überpenibel“, befürchtet er, würden ihn die anderen bezeichnen. Aber hoffentlich auch als kollegial. Kurz überlegt er, ob nur er selbst sich als eitel sieht oder auch andere, verwirft das dann aber wieder. Als er den dritten Charakterzug schon fast schuldig bleiben will, fällt ihm doch noch was ein: „Ich glaube, sie würden sagen, der Max ist immer sooo charmant – allerdings würden sie das wohl nicht ausschließlich positiv meinen.“ Unser kleiner Realitätscheck lässt jedenfalls, soweit wir das in dieser Zeit beurteilen können, alle drei Eigenschaften eindeutig als vorhanden erkennen. Er ist definitiv penibel, wenn es um Fakten zu seinem Beruf, zu Stücken oder Rollen geht. Das ist ihm wichtig und da spürt man während des Gesprächs viel Herzblut. Kollegialität beweist er für uns damit, dass er für andere Partei ergreift und sich einmischt. Und der Charme, der blitzt selbst bei einem weitestgehend ernsten Thema immer wieder durch.

Kritik ist auch weiterhin erlaubt

Es war ein sehr interessanten Gesprächs zu einem emotionalen Thema, das nicht nur Maximilian Mann, sondern auch uns ein echtes Anliegen ist. Und es lässt sich passend zu einem seiner bisherigen Stücke zusammenfassen: „Mit nem Teelöffel Zucker, schluckst du jede Medizin.“ Also, Kritik ist erlaubt – wenn sie so verpackt ist, dass sie vom Empfänger auch geschluckt und verdaut werden kann.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Maximilian für das zweite Interview in kurzer Zeit. Und versprechen euch gleich noch einen dritten Beitrag, in dem er ebenfalls eine Rolle spielen wird.

 

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