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Interview mit Anna Thorén

Anna Throén ist gebürtige Schwedin und steht schon seit einigen Jahren auf Bühnen im deutschsprachigen Raum. Unter anderem spielte sie schon die Magda in "Tanz der Vampire", Elphaba in "Wicked" oder zuletzt die Fanny Osbourne in "die Schatzinsel". Was sie über ihre Zeit in Deutschland, über Castings und das Leben als Musicaldarstellerin zu sagen hat, erfahrt ihr in folgendem Interview.

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Anna Thorén
Anna Thorén © James Cook

Über Anna

Anna ist in Schweden geboren und aufgewachsen. An der Ballettakademie in Göteborg wurde sie in den Fächern Musical und Musik-Theater ausgebildet. Schon bald zog sie der Beruf nach Deutschland, wo sie bis heute geblieben ist. Anna ist unter anderen für Rollen wie Königin Anna in 3 MUSKETIERE, Esterházy in ELISABETH, Magda in TANZ DER VAMPIRE, Elphaba in WICKED, Marie Antoinette in dem gleichnamigen Musical oder Mercédès in DER GRAF VON MONTE CHRISTO bekannt. Zuletzt spielte sie die Fanny Osbourne in dem erfolgreichen Musical DIT SCHATZINSEL. Am 17. Dezember feierte das Musical CANDIDE am Stadttheater in München Premiere. Doch das ist nicht die einzige Rolle, die die Schwedin in nächster Zeit spielen wird. Im nächsten Jahr wird sie in Halle die Anita in der WEST SIDE STORY und die Milady de Winter in 3 MUSKETIERE verkörpern. Außerdem wird sie bei der Wiederaufnahme von GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN in München auf der Bühne stehen.
Wenn man Anna auf der Bühne sieht, dann sieht man, dass sie mit Leib und Seele Musicaldarstellerin ist. Sie spielt die Rollen nicht nur, sondern lebt sie. Sie hat die Fähigkeit, das Publikum mit in die Gefühlswelt ihrer Rolle zu nehmen und überzeugt mit einer herzlichen und kraftvollen Stimme. Musical1 hat sich mit Anna zu einem Interview in Hamburg getroffen.

Wie würdest du dich selbst mit wenigen Worten beschreiben?

Ich würde sagen, ich bin ein neugieriger Mensch. Ich liebe neue Sachen, neue Leute kennen zulernen und neue Plätze zu besuchen.
Ich bin ein ziemlich positiver Mensch, aber ich bin auch sehr emotional und total nah am Wasser gebaut.

Wolltest du auch schon als Kind auf der Bühne stehen?

Ich wollte Tierärztin sein oder etwas anderes mit Tieren machen. Mit 9 bin ich dann sehr allergisch geworden und meine Mutter hat mich in ein Vorsingen für eine Musikschule gesteckt und da wurde ich aufgenommen. So kam die Musik in mein Leben. Und dann habe ich bei einer Theatergruppe angefangen.
Mit 16 habe ich angefangen im Extrachor, im Theater bei SOUND OF MUSIC zu singen. Und da habe ich auch gemerkt, dass es mir wirklich gefällt, dieses Leben auf und hinter der Bühne.
Kurz vor der Vorstellung liege ich ganz oft auf der Bühne und lausche den erwartungsvollen Geräuschen von dem Publikum. Das habe ich mit 16 schon so gemacht und ich mache es immer noch gerne. Besonders bei Großproduktionen, wo man jeden Tag spielt, kann man sich damit wirklich motivieren.

Ist das immer so? Merkt man als Darsteller auch, wenn ein Publikum etwas Antriebsarmer ist?

Wenn das Publikum wirklich gebannt ist, bewegen sich die Leute fast nicht. Aber wenn es unruhig ist und es Zwischengeräusche gibt, merkt mann das. Dann hat man es noch nicht geschafft, die Spannung aufzubauen.
Dann gibt es ein Publikum, das wenig klatscht oder wenig lacht, aber trotzdem total begeistert ist. Es gibt unterschiedliche Persönlichkeiten. Es lacht oder klatscht nicht jeder laut. Davon darf man nicht abhängig machen, wie gut die Show gelaufen ist.

Du hast deine Ausbildung zur Musicaldarstellerin in Schweden gemacht, wie kam es dazu, dass du nach Deutschland gekommen bist?

Ich wollte unbedingt das Musical CABARET spielen. Es gab eine Produktion in Dänemark. Die Ausschreibung war auf dänisch und ich habe gelesen, dass man ein Lied im Stil vom Stück singen muss. Ich habe dann ‘All that Jazz’ aus Chicago gesungen und danach war das Gespräch in etwa so:
Der Mann sagte etwas auf dänisch und “Cabaret?” Ich: “Ja.” Der Mann: “Anna, (etwas auf dänisch) Cabaret?” Ich: “Ja.” Mann: “Anna, you don't understand a word that I'm saying, are you?” Ich: “Noo… .” Er: “So, I just said, why aren't you singing a song from cabaret?” Ich: “Because it said in the style of the Show” Er: “No it didn't. It actually said ‘sing a song from the Show'.”
Ich habe es nicht bekommen, (Lacht).
Um das ganze dann noch schwieriger zu machen, habe ich gedacht, ich mach das Ganze einfach auf deutsch. Das nächste Vorsingen war dann 2001, hier in Hamburg im St. Pauli Theater. Der Regisseur war Amerikaner, daher war die ganze Audition auf Englisch und dann habe ich alles besser verstanden.
In Deutschland angekommen, habe ich gemerkt wie unglaublich groß und vielzeitig die Musical-Welt hier ist und bin geblieben.

War es schwierig für dich deine Heimat zu verlassen?

Das weiß ich nicht mehr. Ich bin ziemlich offen für Neues und finde es immer spannend, neue Abenteuer zu erleben. Ich fahre immer wieder nach Schweden, aber Heimweh habe ich nicht so wirklich gehabt. Ich freue mich aber sehr, wenn ich im Urlaub nach Schweden fliege, aber eigentlich fühle ich mich hier sehr wohl.

Würdest du gerne mal in einem Musical in Schweden mitspielen?

Ich könnte es mir vorstellen, aber es ist jetzt nicht so, dass ich wirklich daran arbeite, dort zu spielen.

Spielst Du lieber in kleinen Stücken mit oder bei großen Produktionen?

Beides macht Spaß. Ich liebe es, wie es dieses und letztes Jahr bei mir war, 3-4 Stücke pro Jahr spielen zu dürfen. Aber dafür fehlt mir auch manchmal die Sicherheit, dass ich wirklich Arbeit habe. Ich muss immer wieder schauen, dass die Stücke zeitlich zusammen passen und mich immer wieder bewerben. Und das ist natürlich immer ein Risiko.

Gibt es für Dich deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Produktionen?

Ja, das ist wirklich ganz anders. Stadttheater machen mehrere Produktionen in einem Jahr. Große Häuser machen nur das eine in einem Jahr, welches dann gepusht wird. Dann ist da noch der Unterschied, wenn du 8-mal die Woche spielst. Du musst dich motivieren das Stück jeden Tag von Neuem zu spielen und jeden Tag genau so gut, wie zuvor. Das ist die Kunst bei 8 Shows in der Woche. Und wenn du in Stadttheatern spielst, spielst du vielleicht dreimal im Monat und freust dich, dass du wieder spielen kannst.

Konntest du von jeder Rolle, die du bislang gespielt hast, etwas für dich selbst mitnehmen?

Jede Rolle ist emotional anders oder auch gesangstechnisch neu. Das ist auch der Spaß daran. Man kann für jede Rolle etwas neues lernen, welches man für die nächste Rolle mitnehmen kann. Ich glaube, man wächst als Darsteller die ganze Zeit.

Hast Du schon mal eine Rolle gespielt, die du im Nachhinein doch nicht gerne gespielt hast?

Nein. Ich glaube, dass ich mit jeder Rolle mitfühle, weil ich mir das immer so zu Herzen nehme. Zum Beispiel: Leute meinen immer, dass Marie Antoinette keine nette Person war. Ich musste sie immer verteidigen. Es gibt ja von jedem Menschen und auch jeder Rolle viele Seiten. Wie Milady in MUSKETIERE, die ein Opfer von der Vergangenheit ist. Ich versuche immer den Menschen hinter den Taten zu finden, weil ich möchte nicht nur so plakativ die Böse spielen. Deswegen nehme ich mir alles so zu herzen. Gebt mir keine Rolle als Massenmörder oder so. *lacht*

Hast du eine Lieblingsrolle?

Elphaba war schon ein Traum. Aber dann finde ich immer, dass die Rolle, die ich momentan spiele, meine Lieblingsrolle ist. Jetzt komme ich von der Schatzinsel und blühe für die Fanny Osbourne und die Geschichte von dem Kind.

Ist es schwierig die Emotionen der Rolle nach der Show abzulegen und von seinen eigenen zu trennen?

Manchmal ja. Bei Marie Antoinette hatte ich es zum Beispiel, dass ich nach den Proben heulend da saß, weil ich die Erlebnisse der Marie so schlimm fand, aber ich habe mich bis zum Ende zusammengerissen und dann konnte ich loslassen. Und dann war das wieder gut. Es dauert manchmal ein bisschen, bis ich es ablegen kann. Aber mich ab zu schminken, zu duschen und um zu ziehen, hilft gut als Ritual, um von der Rolle zurück in Anna zu kommen.

Als letztes hast du bei der Schatzinsel mitgespielt. Ist es etwas anderes, wenn man einen Menschen wie Fanny Osbourne spielt, die wirklich gelebt hat, im Gegensatz zu erfundenen Personen?

Das ist sehr interessant. Über Fanny zum Beispiel, habe ich ganz viel gelesen. Ich denke, sie war sogar noch emanzipierter als ich sie gespielt habe. Sie hat Hosen getragen, sie hat ihre Zigaretten selber gerollt, ist mit offenen Haaren herumgelaufen, eine sehr moderne Frau für ihre Zeit. Am Ende haben wir das aber nicht so gemacht, weil dann würde das Stück ein anderes Thema haben. Es ging ja um das Kind und die Schatzinsel, nicht um Fanny. Über sie könnte man aber echt ein ganzes Stück machen.
Bei Joséfine in GEFÄRHLICHE LIEBSCHAFTEN, die es eigentlich nicht gab, auch nicht im Film, habe ich meine eigene Hintergrundgeschichte gemacht. Woher sie kommt, was vorher passiert ist, was danach passiert, ist sie verheiratet, hat sie Kinder? Damit wird die kleinste Ensemble Rolle viel Spaß machen. Du spielst nicht nur im Ensemble, sondern du bist die Rolle, die du für dich kreierst.

Hast du eine Lieblingsszene im Musical DIE SCHATZINSEL?

Ich fand das Ende sehr schön, (vorsicht, spoiler allert!) wo der Vater des Kindes kommt. Bei den Proben war ich nicht bereit, dass das so krass emotional wird. Das waren bewegende Momente und die 3 Kinder haben es so ehrlich und wunderschön gespielt.

Was ist für dich das Besondere an dem Musical?

Bei der SCHATZINSEL finde ich die beiden Ebenen sehr interessant. Dass eine wahre Geschichte, zusammen mit einer erfundenen Geschichte erzählt wird und alles geht in den Ebenen ineinander über. Als Doktor und Mrs. Hawkins verlieben wir uns, wie auch als Fanny und Louis. Das musste man auf der einen Ebene gar nicht zeigen, weil es schon auf der anderen passiert ist. Ich kenne sonst kein Musical, das beide Ebenen zusammen erzählt.

Manche Musicals haben nur eine begrenzte Spielzeit von wenigen Wochen. Ist es nicht schade, wenn man eine Rolle einstudiert und diese dann nur diese kurze Zeit lang spielen kann?

Auf jeden Fall. Manchmal möchte ich wirklich, dass es weiter geht. Aber so wird es auch nie langweilig. Man hört auf, wenn es am meisten Spaß macht. Die Trennung fällt einem dann schwer, aber es kommen ja neue Abenteuer.

Bei der SCHATZINSEL hast du zwei Rollen gespielt, die in zwei verschiedenen Welten gelebt haben. War es schwierig zwischen den Rollen Fanny Osbourne und Mrs. Hawkins zu wechseln? Dies geschah ja innerhalb weniger Sekunden während des laufenden Stückes.

Für mich nicht so sehr. Ich glaube, für die anderen war es schwieriger, weil sie ganz andere Rollen gespielt haben. Aber meine waren sich sehr ähnlich. Ich habe nur eine andere Körpersprache gehabt, ein bisschen anders gesprochen. Mrs Hawkins ist auch nicht so stolz wie Fanny, obwohl sie eine andere Stärke hat. Mehr abgekämpft und bauernhaft.

In Fulda hingen von euch viele Plakate in den Läden und Café’s. Wurdest du auch mal erkannt?

Ja, das ist mir auch passiert. Aber ich habe nie die Rabatte gekriegt, wovon ich von Kollegen gehört habe.
Da wurde ich nicht erkannt, sonst schon. *lacht*

Wie bereitest du dich auf Castings vor?

Castings sind immer schwierig, finde ich. Man lernt das Lied und den Text, man versucht ein bisschen von der Rolle zu lesen. Ich habe mein Repertoire, welches ich vorstelle. Manchmal kriegt man noch etwas dazu und dann versucht man das so gut wie möglich zu machen. Ich finde, man sollte das Material gut lernen, aber nicht zu vorbereitet sein, damit man Dinge noch anpassen kann. Ich habe einen Glücksbringer, den ich immer dabei habe. Das ist ein kleiner Beutel mit drei Steinen. “Mut, Vertrauen und Glück”. Das ist eigentlich alles, was man braucht, auch für´s Leben.

Was sind deine nächsten Projekte?

In Dezember ist die Premiere für CANDIDE in München. Danach steige ich wieder bei WEST SIDE STORY in Halle ein und im Anschluss fangen die Proben für die 3 MUSKETIERE an. Da spiele ich die Milady. Und dann gehe ich im Mai wieder zurück nach München und mache bei der Wiederaufnahme für GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTENFSF mit.

Hast du neben den Musicals noch andere Projekte?

Yoga war lange mein Hobby. Jetzt habe ich auch eine Yoga Teacher Ausbildung gemacht und suche eine neue Hobby. *lacht*
Manchmal schreibe ich viel. Zum Beispiel die schwedische Übersetzung für die Schatzinsel, die habe ich mit Hilfe von zwei schwedischen Kollegen gemacht.

Was rätst du jemandem, der Musicaldarsteller werden will?

Mach das nicht. *lacht* Nein; wenn dein Herz dafür blüht, sollst du es auf jeden Fall versuchen, aber nicht enttäuscht sein, wenn es nicht funktioniert. Ich habe meine Ausbildung gemacht, mit der Intention, dass ich diese Ausbildung machen möchte. Ob ich danach einen Job bekomme, war damals egal, weil ich wollte die drei Jahre erleben. Jeden Tag Singen, Tanzen, Schauspielen. Deswegen konnte ich nicht enttäuscht werden. Es war nur ein Bonus, dass dann ein Job kam. Das war 1999 und ich arbeite immer noch und ich bin sehr dankbar für alles, was ich erlebt habe.
Um das zu erreichen, wo ich heute bin, habe ich sehr viel gearbeitet. Es ist nicht jeden Tag roter Teppich und Premiere. Manchmal hat man einen scheiß Tag oder kriegt kurz vor der Vorstellung schlechte Nachrichten und du musst da stehen und musst deinen Job trotzdem gut machen.
Aber wenn man das alles gemacht hat und es gelingt, dann ist es wahrscheinlich einer der tollsten Berufe, die man machen kann.

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: S. Müller (21.12.2015)

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